Deutschland
1945/46 - die Tagebuchaufzeichnungen eines jungen Sowjetleutnants[Kulturation 1/2005]
über:
Wladimir
Gelfand,
Deutschland-Tagebuch 1945 – 1946. Aufzeichnungen eines
Rotarmisten.
von: Elke
Scherstjanoi
Wladimir
Gelfand, Deutschland-Tagebuch 1945 – 1946. Aufzeichnungen
eines Rotarmisten. Aus
dem Russischen von Anja Lutter und Hartmut Schröder. Ausgewählt
und
kommentiert von Elke Scherstjanoi Berlin
(Aufbau-Verlag) 2005, 367 S.
32 Abb.
Als Nikolai Bersarins 5. Stoßarmee nach erbitterten
Kämpfen an der Oder zur
Erstürmung Berlins ansetzte, marschierte in ihren Reihen auch
der junge
Wladimir Natanowitsch Gelfand (1923-1983), dessen Deutschland-Tagebuch
derzeit
in der deutschen Öffentlichkeit große Beachtung
findet. Neben weiteren
Tagebuchnotizen, zahllosen Briefen, Urkunden, Zeitungsartikeln und
anderen
Unterlagen befand sich dieses Dokument im Gepäck seines 1995
nach Deutschland
ausgewanderten Sohnes Vitaly. Die Herausgeberin Elke Scherstjanoi
wählte aus
der von ihm restaurierten Sammlung die Aufzeichnungen der Jahre 1945
–1946 für
den Druck aus und ergänzte sie mit zeitlich zuzuordnenden
privaten Briefen,
dienstlichen Berichten oder Gesuchen und Fotos. Außerdem
erweiterte und
bereicherte sie die Publikation mit einem informativen und gescheiten
Essay
unter dem Titel „Ein Rotarmist in Deutschland“, das
zum besseren Verständnis
des Ganzen die Lebensumstände und den späteren
Werdegang von Gelfand sowie die
historischen Rahmenbedingungen nachzeichnet, aber auch
quellenkritischen
Überlegungen nachgeht und einzelne Texte kommentierend
hinterfragt (S.
315–339).
In der deutschen, insbesondere ostdeutschen Geschichtsliteratur
herrschte an
sich kein Mangel an Zeitzeugenberichten über die Befreiung vom
Faschismus, über
den Übergang vom Krieg zum Frieden: Es gibt autobiographische
Aufzeichnungen
sowjetischer Heerführer, Politiker und Kulturoffiziere, aber
auch Erinnerungen
deutscher Emigranten, die in der Roten Armee gedient hatten. Doch
dieses
Tagebuch mit relativ regelmüßigen Eintragungen
über die subjektive
Befindlichkeit des Schreibers, mit Gedanken und Berichten über
Kriegsgeschehen,
Kriegsende und das nachfaschistische Deutschland aus der Perspektive
eines
jungen ukrainischen Offiziers, der nicht zu den Oberen und Prominenten
seiner
Armee gehörte, ist eine echte Rarität und
trägt dazu bei, Dunkelstellen
aufzuhellen. „So weit konnten wir noch nie in die
Gedankenwelt eines Siegers
vordringen“, stellt die Herausgeberin zu Recht fest (S. 11).
Allerdings war dieser Wladimir Gelfand ein Sieger besonderer Art.
Schriftsteller wollte der belesene, gebildete und vielseitig
interessierte
junge Mann werden. Zum Soldaten geboren war er wohl nicht. Doch
angesichts des
mörderischen Vernichtungsfeldzuges Nazideutschlands gegen sein
Land meldete
sich der Neunzehnführige 1942 freiwillig zur Roten Armee.
Anfangs als Sergeant,
später Unterleutnant und zuletzt Leutnant kämpfte er
zeitweilig als Artillerist
und Kommandeur von kleinen Granatwerfereinheiten an vorderster Front
und
durchlebte die kreatürliche Angst und die physische Not des
Soldaten im
Schützengraben. Seine Vorbildrolle ernst nehmend,
unterdrückte er diese Gefühle
und vertraute sie nur dem Tagebuch an, das er unbeirrt auch
während der
Kampfhandlungen weiterführte, weil es ihm zur Lebenshilfe
geworden war. Vor den
opferreichen Kämpfen um Stalingrad bewahrte ihn eine
Verwundung. Politisch
interessiert, der sozialistischen Ideenwelt und der ьblichen
Stalinverherrlichung verhaftet, betätigte er sich mit
großem Engagement als
Komsomol- und Parteifunktionär (seit 1943 war er Vollmitglied
der KPdSU),
verfasste Wandzeitungsartikel sowie Frontflugblätter und
wirkte als Frontlektor
in Versammlungen und Bildungsveranstaltungen.
Haben wir es also mit der Bilderbuchkarriere eines Rotarmisten zu tun?
Genau
besehen wohl nicht. Das Tagebuch führt uns die
äußerst widersprüchliche und
konfliktgeladene Situation eines eher sanften, intellektuellen
Neigungen
folgenden Schöngeistes vor Augen, der in eine eingespielte
grobschlächtige, zum
Teil wenig gebildete, dem Wodka zugewandte Männergemeinschaft
geriet, die genau
diese Eigenschaften belächelte und verachtete. Und
überdies war Gelfand Jude.
Antisemitische Anfeindungen, brutale und grobe Scherze,
Diskriminierungen,
Verleumdungen und tätliche Angriffe (so wurde er im Beisein
von Untergebenen
geschlagen), Zurücksetzungen (er erhielt lange Zeit keine
Auszeichnungen)
gehörten zu seinem Soldatenalltag. Wenn auch relativ duldsam,
klein beigegeben
hat er nicht, sondern immer erneut versucht, Gerechtigkeit für
sich
einzuklagen, unter anderem mit Beschwerden an übergeordnete
Dienstellen - eine
heikle Angelegenheit in jeder Armee. „Im nächsten
Gefecht erschieße ich dich!“,
brüllte ihn sein Kompaniechef vor allen Soldaten an (S. 49).
Die Vermutung der
Herausgeberin, dass er diese Querelen nur deshalb heil
überstanden hat, weil er
im März 1945 als Chronist der Kampfhandlungen in den Stab der
Division berufen
wurde, sind ernst zu nehmen.
Aus seiner Lage heraus vermittelt Gelfand ein
äußerst kritisches Bild vom
Innenleben seiner Kompanie, beschreibt Korruption, Diebstahl und
Betrug,
Machtmissbrauch und mehr als fahrlässigen Alkoholgenuss.
„Wann wird es in der
Kompanie endlich eine wirkliche militärische Ordnung geben,
strenge
Armeedisziplin und einen anspruchsvollen, fürsorglichen,
allein
verantwortlichen Kommandeur?“ (S. 59) In späteren
Aufzeichnungen aus dem Jahre
1946 versuchte er, differenziertere Aussagen über den Zustand
der Truppe zu
treffen (S. 257). Den Kampfgeist der Soldaten anerkennend, blieb
für ihn
dennoch unstrittig, dass die Kategorie der „Säufer,
Diebe, Raufbolde und
Psychopathen“ die Autorität der Roten Armee
untergrub.
Als sich mit Kriegsende nicht nur die Handlungsspielräume der
Sowjetsoldaten
erweiterten, sondern ihre Situation eine grundsätzlich andere
wurde – sie
mussten in die Rolle des Siegers hineinwachsen und ungewohnte Aufgaben
als
Besatzer übernehmen, brachte dies auch für Gelfand
einige Veränderungen seiner
Lage. Geradezu gierig stürzte er sich ins Nachkriegsleben. Vor
allem die
Ruinenstadt Berlin hatte es ihm angetan. Den Deutschen begegnete er
zunächst
mit Verachtung. „Auf Berlin, das besiegte, spuck’
ich“, schrieb er an eine Wand
des Reichstags (S. 126). Doch beständig war diese Haltung
nicht. Stolz über den
Sieg empfand er, Rachegefühle kaum. Er war auch kein
Vergewaltiger. Ob dies
jüdischem Frauenverständnis entsprach, wie
Scherstjanoi meint, oder seiner an
allgemeinen humanistischen Werten orientierten Erziehung, seiner
Bildung und intensiven
Beschäftigung mit schöngeistiger Literatur, muss
offen bleiben (immerhin gab es
auch nichtjüdische Rotarmisten, die Vergewaltigungen
verurteilten). Dennoch
gehörten zu seinen großen Nachkriegsentdeckungen die
Frauen, die ihm
scharenweise nachliefen – deutsche wie russische –
, unter anderem weil er „wie
ein Italiener“ aussah (S. 85) und auch sonst Eindruck zu
machen verstand. Zudem
nahmen sich Frauen, die während des Krieges
Männerpositionen besetzen mussten,
nun ebenfalls Rechte in Bezug auf ihr erotisches Verhalten heraus. Es
sollte
daher nicht verwundern, dass das relativ unkomplizierte Erleben von
Sexualität
im Tagebuch des jungen Mannes immer größeren Raum
beanspruchte. Wladimir wurde
ein ausgesprochener Schürzenjäger und kompensierte
mit diesen Erfolgen wohl
auch die Geringschätzung, die er in der Armee erfuhr. (1946
brachte ihm der
sexuelle Tatendrang allerdings eine Gonorrhöe ein.) Seine
ungeteilte
Aufmerksamkeit galt darüber hinaus der ihm neuen oder bislang
kaum zugänglichen
Welt der Produkte. Er übte Rad fahren, beschaffte sich
Fotoapparate und lernte
fotografieren, ließ sich Anzüge schneidern und
„aus Interesse“ sogar eine
Dauerwelle machen, kaufte oder tauschte Uhren, erwarb Stoffe und
Mützen,
seltsamerweise auch Zylinder. Auf dem Schwarzmarkt am Alex, der ihn
faszinierte, bewegte er sich mit beachtlichem Geschick, denn er
verstand
einigermaßen Deutsch. Da es anscheinend zu den
großen Moden jener
Nachkriegsjahre gehörte, Portraitaufnahmen anfertigen zu
lassen, um sie als
Andenken zu verschenken und zu verschicken, gehörte auch dies
wiederholt zu
seinen Unternehmungen.
Dienstlichen Verpflichtungen kam Gelfand offensichtlich mit wachsendem
Widerwillen nach, nicht zuletzt als Reaktion auf erfahrene
Demütigungen.
Vornehmlich in der Mark Brandenburg, meist in Kremmen und Velten
stationiert,
erbitterte ihn ein im August 1945 erlassener Befehl Shukows (als
Originalquelle
bislang nicht aufgefunden, E. B.), der ein strenges
Fraternisierungsverbot
beinhaltete und lediglich dienstliche Kontakte und Dienstreisen in die
Besatzungszone erlaubte. „Jetzt ist es Zeit, etwas
auszuruhen, das zu sehen,
was man noch nie gesehen hat – die Welt des Auslandes
– , und das kennen zu
lernen, von dem man so wenig wusste und von dem man keine klare
Vorstellung
hatte – das Leben, die Sitten und Bräuche im Ausland
– , und schließlich auch
in die Stadt zu gehen, Leute zu sehen, sich zu unterhalten und
umherzufahren,
ein winziges Stück Lebensglück (wenn es das denn
geben sollte in Deutschland)
zu genießen“, begehrte er auf, wenngleich ihm
bewusst war, dass sich diese
Anordnungen vor allem gegen die Plünderer und Vergewaltiger
richteten.
„Es ist uns verboten, mit den Deutschen zu sprechen, bei
ihnen zu übernachten,
einzukaufen. Jetzt verbietet man uns das letzte – sich in
einer deutschen Stadt
aufzuhalten, durch die Straßen zu gehen, die Ruinen
anzuschauen. Nicht nur den
Soldaten, auch den Offizieren. Das kann doch nicht sein! Wir sind
Menschen, wir
können nicht in einem Käfig sitzen, um so mehr als
unser Dienst nicht am Kasernentor
endet und die Bedingungen und das Leben in den Kasernen uns bereits,
verflixt
noch mal, zum Halse raushängen... Was ich will? Freiheit! Die
Freiheit zu
leben, zu denken, zu arbeiten, das Leben zu genießen.
Jetzt ist mir alles genommen. Der Zugang nach Berlin ist mir verwehrt.
Man darf
nicht einmal ohne Erlaubnis die Kompanie verlassen. Wieder
Übungen, erneut
Kontrollen. Alles wieder da, ganz wie im Krieg. So langweilig und so
ermüdend
für die Seele“ (S. 116f.).
Für das Verständnis der Gelfandschen Befindlichkeiten
und Verhaltensweisen
haben diese Zeilen große Erklärungskraft. Sie
widerspiegeln darüber hinaus die
unter Friedensbedingungen zunehmende Bedeutung hedonistischer Werte
sowie
individueller Bedürfnisse nach Abenteuern, Ungebundenheit und
Eigenständigkeit,
nach kultureller Offenheit gerade bei gebildeten jungen Leuten. Mit
militärischen Pflichtwerten war der über den
Wodka-Horizont hinausgehende Drang
nach Lebensgenuss und Selbstverwirklichung aber kaum zu vereinbaren.
Die
sowjetische Gesellschaft insgesamt bremste die Herausbildung eines
neuen,
lockeren Lebens- und Kulturverständnisses und suchte es
zurückzudrängen. Auch
Gelfand selbst distanzierte sich später ganz im Sinne der
Breschnew-Ära von
früheren Sichtweisen (Scherstjanoi, S. 337f.)
In den Nachkriegsjahren jedoch nahm er sich seine Freiheiten. Er reiste
mehrfach unerlaubt nach Berlin, später sogar illegal nach
Weimar. Damit wurde
er in seinem Regiment wieder zum „Fall“, zum
abschreckenden Beispiel (S. 134
ff.), zumal man offenbar in seinem Tagebuch gelesen hatte. Es wurde ihm
auch
angekreidet, dass er sich als zeitweiliger Angehöriger einer
Trophäenabteilung
geweigert hatte, in der Akademie der Wissenschaften deutsche
Bücher zu plündern
(S. 156). Gleichwohl landeten zwei Bildbände daraus in seinem
persönlichen
Gepäck.
Nach mehr oder weniger gelungenen Einsätzen in verschiedenen
Dienststellen –
sein Regiment wusste wohl so recht nichts mit ihm anzufangen
– erfolgte im
September 1946 seine Demobilisierung. Mit zehn reich gefüllten
kleineren
Koffern und zwei Säcken (einschließlich einer
Goethe-Büste) kehrte er glücklich
und zufrieden zu seiner Mutter nach Dnjepropetrowsk zurück.
Schriftsteller und
berühmt wurde er zu seiner Zeit nicht, wenngleich er immer
wieder Artikel und
Erinnerungsberichte für Zeitungen und Zeitschriften schrieb.
Er wurde Lehrer an
Technischen Fachschulen und unterrichtete Geschichte, russische Sprache
und
Literatur. Seine Lebensumstände, vor allem die
Wohnverhältnisse, blieben viele
Jahre miserabel, auch die antisemitischen Anfeindungen nahmen kein
Ende. Im
späteren Ruhestand sollte dann doch noch der großen
Roman geschrieben werden,
so sein Plan, aber er starb schon mit gerade 60 Jahren.
Wladimirs Gelfands Tagebucheintragungen sind Aufzeichnungen eines
jungen, noch
unfertigen, aber geistig wachen Mannes, in dessen
Alltagsnormalität der
deutsche Überfall und damit der Krieg eingegriffen hatte, so
dass er fast von
einem Tag zum anderen mit schwierigen Aufgaben und
gefährlichen Situationen
konfrontiert wurde, die ihn über Gebühr forderten,
aber auch reifer werden
ließen. Viele Passagen spiegeln dennoch Angebereien,
Schludereien und
Oberflächlichkeiten, wie sie für junge Leute dieses
Alters typisch sein können.
Gelfand war selbstverliebt und ichbezogen, aber nicht unkritisch
gegenüber
seiner eigenen Person. „Ich bin jung, und wie mir zunehmend
scheint, ein
interessanter Mensch mit einem unausgeglichenen Charakter, (...) einer,
der
Unangenehmes und Ärger tief in seinem Herzen
vergräbt, aber mit schwarzen
Samtaugen und einem lebendigen Herzen – dies halte ich
für die wesentlichen
Vorzüge meiner Person“ (S. 195). Er beklagte indes
neben seiner Inkonsequenz
auch die Tatsache, dass er oft genug Begonnenes nicht zu Ende
führen würde. Den
Leser von heute irritieren Notizen, in denen der eher weiche Gelfand
minutiös
und ohne einen Funken Mitleid die Erschießung zweier
Selbstverstümmler
beschrieb (S. 37 f.). Offenkundig hatte der Krieg in seinem
Gefühlshaushalt
Spuren hinterlassen. Sadistischen Männerphantasien, die sich
um die Bestrafung
von Angehörigen eines deutschen Frauenbataillons drehten, das
vermutlich nie
existierte, folgte er nicht, meinte aber, man solle diese
„schlicht und einfach
liquidieren“ (S. 40).
Dennoch bleibt festzuhalten: Gelfand verkörperte in seiner
jugendlichen
Unbekümmertheit und Kontaktfreudigkeit den Typ des
freundlichen, netten
Sowjetsoldaten, von welchem deutsche Zeitzeugen immer wieder berichten.
Als
solcher war er in einigen Berliner Familien, die er öfter
aufsuchte,
willkommen. Seine Aufzeichnungen mit ihren auch von Stimmungen
abhängigen,
gelegentlich widersprüchlichen Aussagen, manchen
Ungereimtheiten und vielen
realistischen Schilderungen des Alltags werden daher in den Forschungen
zum
Verhältnis von Deutschen und Russen („unsere
Slawen“ nennt Gelfand sie hin und
wieder, S. 29) aufmerksam zu berücksichtigen sein, auch wenn
tiefgründige
Auseinandersetzungen mit Krieg und Faschismus darin eher selten
vorkommen. Und
für ein breiteres Lesepublikum ist das Buch ebenfalls ein
Gewinn. Bei älteren
Menschen wird es Erinnerungen an diese Jahre wachrufen und
jüngeren einen
Eindruck vom vergangenen Katastrophenjahrhundert vermitteln, Nachdenken
über
Krieg und Frieden eingeschlossen.
Германия
в 1945/46 - записи дневника молодого советского лейтенанта
[Культуратион 1/2005]
Владимир
Гельфанд, немецкий дневник 1945 – 1946.
Записи
красноармейца.
Эльке
Шерстяной
Владимир Гельфанд, «Немецкий дневник 1945–1946. Записки красноармейца».
Перевод с русского: Аня Люттер и Хартмут Шрёдер. Составление и комментарии: Эльке Шерстяной.
Берлин: Aufbau-Verlag, 2005. 367 стр., 32 илл.
Когда 5-я армия Николая Берзарина
после ожесточенных сражений готовилась к штурму Берлина, в ее рядах
маршировал и молодой Владимир Натанович Гельфанд (1923–1983),
дневник которого сегодня привлек значительное внимание в немецком
обществе. Помимо записей, этот уникальный документ включал бесчисленные
письма, служебные документы, газетные статьи и другие материалы,
которые были привезены в Германию его сыном Виталием, эмигрировавшим в
1995 году.
Редактор издания, Эльке Шерстяной,
отобрала для публикации записи 1945–1946 годов, дополненные
личной перепиской, отчетами, заявлениями и фотографиями. Кроме того,
она снабдила издание аналитическим эссе «Красноармеец в Германии»,
в котором подробно рассматривает условия жизни Гельфанда, его
дальнейшую судьбу, а также исторический контекст его записей. В этом
тексте она также анализирует источниковедческие проблемы и критически
оценивает отдельные фрагменты дневника (S. 315–339).
В немецкой, особенно
восточногерманской исторической литературе уже давно нет недостатка в
свидетельствах об освобождении от нацизма и переходе от войны к миру.
Автобиографические мемуары советских полководцев, политиков, штабных
офицеров, а также воспоминания немецких эмигрантов, служивших в Красной
армии, давно стали частью историографии. Однако дневник Гельфанда
выделяется среди этих источников своей субъективной искренностью, живым
стилем и свежестью восприятия. Он дает уникальный взгляд на события
глазами молодого украинского офицера, не принадлежавшего к числу
руководящих фигур армии.
«До сих пор нам никогда не удавалось заглянуть так глубоко в мир идей победителя», — справедливо отмечает Эльке Шерстяной (S. 11).
Гельфанд действительно был особенным победителем.
Эрудированный, образованный, разносторонне интересующийся, он явно не
был рождён для армии. Однако после начала войны и вторжения Германии в
Советский Союз 19-летний юноша добровольно вступил в Красную армию.
Сначала он служил сержантом, затем младшим лейтенантом, а позднее
дослужился до звания лейтенанта. Он воевал в различных частях Красной
армии, в том числе как артиллерист и командир минометного взвода,
находясь на передовой и испытывая страх, боль и лишения, свойственные
любому солдату.
Однако, воспринимая свою роль как
пример для других, он подавлял эти чувства и доверял их только
дневнику, который вел неуклонно даже в боевых условиях. Для него записи
были не просто привычкой, а способом осмыслить происходящее и найти в
нем личный смысл.
Ранение спасло его от гибели в
Сталинградской битве. Будучи политически активным, он искренне верил в
идеи социализма и восхвалял Сталина, считая себя частью великого
исторического процесса. Он с энтузиазмом работал в комсомоле, был
партийным агитатором, писал статьи для стенгазет и фронтовых листовок,
проводил занятия среди солдат. В 1943 году он стал полноправным членом
КПСС.
Но стоит ли воспринимать этот дневник как образцовую карьеру красноармейца? Очевидно, что нет.
На самом деле, записи Гельфанда
показывают крайне противоречивую и конфликтную ситуацию: молодой
интеллигент с тонкой душевной организацией оказывается среди грубых,
зачастую малообразованных, склонных к пьянству и насилию мужчин,
которые высмеивали и презирали именно эти его качества. К тому же Гельфанд был евреем.
Антисемитизм был для него
повседневностью: враждебность, жестокие насмешки, дискриминация,
клевета и даже физическое насилие. Один из его командиров публично
ударил его перед строем. Награды он не получал, хотя неоднократно
находился на передовой.
Однако Гельфанд не был покорной
жертвой: он упорно боролся за справедливость, неоднократно подавая
жалобы вышестоящему командованию — весьма рискованный шаг в любой
армии.
«В следующем бою я застрелю тебя!» — однажды прокричал ему командир роты перед всеми солдатами (S. 49).
Редактор издания предполагает, что
единственной причиной, по которой Гельфанд избежал серьезных
последствий, была его работа в штабе дивизии в качестве военного
хрониста (март 1945). Это предположение звучит вполне обоснованно.
Своими записями Гельфанд создает
крайне критический образ Красной армии изнутри: коррупция, кражи,
мошенничество, злоупотребление властью и повальное пьянство.
«Когда
в армии, наконец, появится настоящий военный порядок, строгая армейская
дисциплина и командиры, которые не просто требуют, но и заботятся о
солдатах?» (S. 59).
Позднее, в 1946 году, он пытался
дать более сбалансированные оценки состояния армии (S. 257), однако его
мнение оставалось неизменным: боевой дух солдат не подлежал сомнению,
но те, кого он называл «пьяницами, ворами, драчунами и психопатами», подрывали авторитет Красной армии.
С окончанием войны не только
расширились возможности действий советских солдат, но и кардинально
изменилась их роль: они должны были не только осознать себя
победителями, но и привыкнуть к новым обязанностям оккупантов. Для
Гельфанда это также означало перемены. Он буквально жадно бросился в
послевоенную жизнь. Прежде всего, его заворожил разрушенный Берлин.
Сначала он относился к немцам с презрением. «На Берлин, побежденный, плюю я»,
— написал он на стене Рейхстага (S. 126). Однако это отношение не
было постоянным. Он гордился победой, но почти не испытывал жажды мести. Он не был насильником. Было ли это связано с его
еврейским происхождением, как предполагает Шерстяной, или с его
воспитанием, ориентированным на гуманистические ценности, увлечением
литературой, остается открытым вопросом (в конце концов, среди
красноармейцев находились и неевреи, осуждавшие насилие).
Тем не менее женщины стали для
него одним из самых ярких открытий послевоенного периода. Немки и
русские буквально окружали его — возможно, потому, что он, по их
словам, «выглядел как итальянец»
(S. 85), а возможно, потому, что умел произвести впечатление. К тому же
многие женщины, заменявшие мужчин во время войны, теперь хотели
реализовать свои права на личную жизнь и новые отношения.
Неудивительно, что тема сексуальности все больше занимала место в его
дневнике.
Гельфанд превратился в настоящего охотника за женскими сердцами,
что, возможно, компенсировало ему унижения, испытанные в армии. Однако
его любовные похождения не обошлись без последствий — в 1946 году
он заразился гонореей.
Помимо этого, его внимание
полностью захватил новый для него мир материальных вещей. Он освоил
велосипед, приобрел фотоаппарат и научился фотографировать, заказывал себе костюмы и даже, «из интереса»,
делать химическую завивку. Он покупал и менял часы, ткани, шапки и даже
цилиндр. Черный рынок на Александерплац завораживал его, а благодаря
тому, что он понимал немецкий, он чувствовал себя там вполне уверенно.
В те годы было модно делать и дарить на память портреты — это
увлечение не обошло и Гельфанда.
Выполнять служебные обязанности
он, по-видимому, стал с растущим отвращением, что было реакцией на
пережитые унижения. Его особенно раздражал приказ Жукова от августа
1945 года (оригинал которого до сих пор не найден), строго запрещавший
красноармейцам любые контакты с немцами, кроме служебных.
«Теперь
самое время посмотреть мир, узнать то, о чем мы так мало знали,
исследовать жизнь за границей. И, наконец, увидеть город, людей,
разговаривать, гулять, наслаждаться хотя бы крохами счастья (если оно
вообще возможно в Германии). И вот теперь нам запрещено всё: нельзя
общаться с немцами, ночевать у них, покупать у них. Теперь нам
запрещают даже находиться в городе, идти по улицам, смотреть на руины.
Не только солдатам — даже офицерам. Но это же невозможно! Мы ведь
люди, мы не можем сидеть в клетке», — возмущался он (S. 116f.).
Эти строки дают ключ к пониманию
его настроений. Они отражают не только раздражение, но и растущее
желание свободы, тягу к новым впечатлениям и познанию мира, что было
особенно характерно для образованных молодых людей. Однако стремление к
самореализации и удовольствиям плохо сочеталось с жесткой армейской
дисциплиной. В целом советское общество сдерживало формирование нового,
более свободного мировоззрения и стремилось подавлять подобные
устремления. Позже сам Гельфанд, в духе брежневской эпохи,
дистанцировался от своей прежней «дальновидности» (Шерстяной, S. 337f.).
Но в послевоенные годы он не
отказывался от своей свободы. Он неоднократно отправлялся в Берлин без
разрешения, а позже даже тайно ездил в Веймар. В армии он становился «случаем», устрашающим примером для других (S. 134). Чтение его дневника офицерами только усилило их подозрения.
Отдельной строкой в его личном
деле значилось то, что он отказался участвовать в разграблении
библиотеки Академии наук, когда его подразделение было отправлено туда
в составе трофейной бригады (S. 156). Однако две книги из библиотеки все же оказались в его багаже.
После нескольких случайных
назначений в разные подразделения, где он так и не смог найти своего
места, в сентябре 1946 года он был демобилизован. С десятью чемоданами,
двумя мешками (включая бюст Гёте) он вернулся в Днепропетровск к матери.
Он так и не стал писателем, хотя
продолжал писать статьи и воспоминания для газет и журналов. Он стал
преподавателем в техническом училище, где вел занятия по истории,
русскому языку и литературе. Его жилищные условия оставались тяжелыми
долгие годы, а антисемитизм в советском обществе никуда не исчез.
Позже, выйдя на пенсию, он мечтал написать «большой роман», но не успел — он умер в возрасте 60 лет.
Дневник как исторический документ
Дневник Владимира Гельфанда
— это записи молодого, еще не до конца сформировавшегося, но
интеллектуально бодрствующего человека, жизнь которого кардинально
изменила война. Его внезапно поставили перед сложными задачами и
опасностями, которые требовали от него больше, чем он мог вынести, но
вместе с тем делали его более зрелым.
Некоторые отрывки дневника полны
наивности и импульсивности, характерных для молодости. Гельфанд был
самовлюбленным и эгоцентричным, но не без критики к самому себе.
«Я
молод и, как мне кажется, становлюсь все более интересным человеком. У
меня неуравновешенный характер… одинокий, раздражительный, но с
черными бархатными глазами и живым сердцем. Считаю это своими основными
достоинствами» (S. 195).
В то же время он сожалел о своей непоследовательности и о том, что слишком часто бросал начатое.
Современного читателя могут
шокировать некоторые его заметки. Например, он подробно, безо всякого
сочувствия, описывает расстрел двух самострелов (солдат, пытавшихся покончить с собой, чтобы избежать войны) (S. 37 f.). Очевидно, война оставила на нем свой след.
Однако, в отличие от многих, он не поддавался садистским фантазиям о расправах над мифическим «немецким женским батальоном», хотя все же записал, что их «нужно просто и сразу ликвидировать» (S. 40). В целом Гельфанд воплощает в себе образ добродушного советского солдата,
о которых часто упоминают немецкие свидетели тех лет. Он был частым
гостем в нескольких берлинских семьях и пользовался там радушным
приемом. Именно поэтому его записи, несмотря на порой противоречивые
суждения и импульсивные высказывания, представляют собой ценный
исторический документ, важный как для изучения взаимоотношений между
русскими и немцами, так и для понимания психологии победителя.
Для
более широкой аудитории эта книга также представляет собой ценный
источник размышлений о войне, мире и катастрофах XX века. Молодые
читатели смогут увидеть в ней живой голос того поколения, а пожилые
— воспоминания о годах, которые определили судьбу их века.