Die Rote
Fahne weht auf dem Reichstag 1945 in Berlin (Bild: AP)
Heimat
ist dort, wo kein Hass ist
Eine
ukrainisch-jüdische Familie in Berlin
Von
Doris Netenjakob
Als
junger Leutnant marschierte
Wladimir Gelfand 1945 mit der Roten Armee in das zerstörte
Berlin ein. Seine
Erlebnisse vertraute er einem Tagebuch an und wurde so zum Chronisten
der
"Stunde null". Damals hätte er sich nicht vorstellen
können, dass
genau fünfzig Jahre später seine Familie die Ukraine
verlassen und nach Berlin
ziehen würde.
Und
dass
ausgerechnet hier sein
"Deutschland-Tagebuch" erscheinen würde. Gelfand selbst hat
all das
nicht mehr erlebt, er starb mit sechzig Jahren in der Ukraine an den
Spätfolgen
einer Kriegsverletzung. Sohn Vitaly und Wladimir Gelfands Witwe Bella
können
davon erzählen, wie staatliche Willkür und
fortdauernder Antisemitismus in der
Ukraine die ohnehin bedrängten Lebensverhältnisse der
Familie verschärften. Man
entschloss sich zur Ausreise. Der Sohn sagt heute: "Heimat ist dort, wo
man sich sicher und als Mensch fühlen kann. Wo man durch das
Gesetz geschützt
ist und wo kein Hass ist."
O-Ton russisch:
Sohn
Vitaly (Overvoice)
Ja, ich bin Berliner. Hier bin ich zu Hause. Ich
lasse ältere Leute und Kinder über die
Straße,
wenn ich Auto fahre, und gewähre
anderen Vorfahrt. Ich mache zu Hause keinen
Lärm von 13 - 15 und ab 19 Uhr. Ich gebe niemandem
Schmiergeld,
nirgendwo und für Nichts. Ich schäme mich
nicht für mein gebrochenes
Deutsch. Ich habe keine Angst vor den Polizisten auf der
Strasse. Ich
stehle nicht in Geschäften. Ich ziehe
kein Anzug an, wenn ich ins
Restaurant gehe. Ich kenne die Stadt wie meine
eigene. Ich fahre immer ein
bisschen schneller als erlaubt, ich kaufe oft
keinen Parkschein und
bezahle ehrlich mein Bußgeld.
Heimat ist
dort, wo kein Hass ist.
Autorin: Sie kamen aus
Dnjepropetrowsk, dieser großen
ukrainischen Industriestadt am Dnjepr. Sie kamen
1995: Bella, Jakob, Gennadij,
Anna, Natalja, Vitaly, Elena, Wladimir und Roman.
Bella Jefimowna ist die siebenundsiebzigjährige Mutter
der Familie Gelfand.
Ihr erster Sohn Gennadij Wladimirowitsch, 50 Jahre
alt, mit Ehefrau Anna und Tochter Natalja ist
genauso in Berlin zu Hause wie
der 46jährige jüngere Sohn
Vitaly Wladimirowitsch, mit Ehefrau Elena
und seinen beiden Söhnen Wladimir und
Roman. Bellas Enkel Wladimir war bei der Ankunft
in
Deutschland sieben Jahre alt.
O-Ton: Enkel Wowa Wir hatten wirklich gar
kein Geld. Und das erste Neue
Jahr... was wir geschenkt bekommen haben... war
jeder eine Mark. Und
wir haben uns unheimlich gefreut... also
wirklich, das war... Das
zweite Sylvester haben wir zwei Mark bekommen,
das war eine noch riesigere
Freude... das war für uns richtig viel
Geld. Wir haben irgendwelche
Kataloge genommen und haben den Schmuck mit
Scheren ausgeschnitten und haben
gesagt, wenn wir unsere eigene Wohnung haben,
dann werden wir das
überall aufhängen
und so was. Ja.
Autorin: Seit die Gelfands in
Deutschland sind, hat sich viel
in ihrem Leben verändert, das meiste
zum Positiven. Manche
Erwartungen wurden auch enttäuscht. So
fanden die Brüder und Familienväter
Gennadij und Vitaly Gelfand, beide in der
Ukraine als Ingenieure
ausgebildet, in Berlin keine entsprechende
Arbeit. Der Ältere ist jetzt
Geschäftsführer in einem kleinen
Hotel. Auch seine Frau und seine Tochter sind dort
beschäftigt.
Vitaly kann wegen seines kaputten Rückens nicht
körperlich arbeiten und bekommt
Arbeitslosenhilfe. Seine Ehe ging in die
Brüche und er heiratete Olga, mit der
er die vierjährige Tochter Sophia hat.
Olga brachte den Sohn Wladislaw mit in die Ehe,
sie arbeitet nebenbei als
Verkäuferin.
Vitaly selbst könnte für Institutionen arbeiten, die
sich mit Russland beschäftigen. Er ist
über die Probleme dort bestens
informiert, mischt sich im Internet in die
wichtigen Diskussionen ein, äußert
in Foren seine kritische Meinung über
Putins Politik.
Seine beiden Söhne Wladimir, 22, und Roman, 15, wohnen
manchmal bei ihm und manchmal bei ihrer Mutter.
Wladimir, in der
Familie meist Wowa genannt, bringt gerade der
vierjährigen Sophia das
Schachspielen bei. Er spielt auch Gitarre und
mag den Rapper „Eminem“.
O-Ton: Enkel Wowa Das war schon deutlich in
der Grundschule, dass ich zu
den Außenseitern gehört habe,
weil ich kein Nike und Adidas getragen
habe. Aber dann als ich ins Gymnasium kam, das
war gleich neben Moabit und
dort waren wirklich viele Ausländer.
Wir hatten nur fünf oder
sechs Deutsche von 30 in unserer Klasse. Die
Ausländer waren in der Überzahl
und die haben dann wirklich alle Markenklamotten
getragen und
irgendwie auf ihre Weise geredet. Und die waren
irgendwie freier, also, ich war
eben verklemmt, ich
war wirklich sehr verklemmt. Und dann bin ich unter
diesen Zwang gekommen, dass ich auch diese
Markenklamotten tragen
muss und ich wollte natürlich zu den
Coolen gehören und nicht zu
den Außenseitern. Und dann kam ich
irgendwie aus der Schiene raus, dann
habe ich nicht mehr gelernt, denn die Coolen
haben nicht mehr
gelernt. Die Coolen haben die ganze Zeit
irgendetwas draußen gemacht. Und wir
haben die Lehrer ausgelacht und wir haben die
schlauen Schüler
ausgelacht und solche Sachen. Die haben auch mit
den hübschen Mädchen dann..
und ich wollte dazu gehören.
Und dann habe ich aufgehört zu lernen, dann habe ich
Probleme mit der Schulleitung bekommen und im
Endeffekt wurde ich dann
von der Schule geschmissen.
Autorin: Die vier Gelfand-Familien
wohnen in Berlin Tiergarten
und Charlottenburg ganz dicht beieinander. Wie
das so oft bei
Emigrantenfamilien ist, haben sie vor allem
untereinander Kontakt. Sie brauchen die
Nähe, dass einer für den
anderen da ist, wenn Hilfe gebraucht wird: bei Krankheit,
bei Behördengängen, bei
beruflichen Problemen. Gemeinsam
wird neu tapeziert, werden Fliesen verlegt oder
elektrische
Geräte repariert.
Auch Bella, die Mutter und Großmutter, ist noch immer
aktiv. Die ehemalige Lehrerin gibt russischen
Schülern Nachhilfeunterricht...
und sie kocht! Manchmal versorgt sie die ganze
Familie. Von
Vitaly wohnt sie nur 500 Meter entfernt und
beinah täglich kommt sie mit
ihrem „Rolli“ und bringt
Piroggen, Suppe, Pelmeni oder Torte. Es wird
russisch gesprochen, es wird russisch gelesen,
es wird russisch gefeiert und es wird russisch
gesungen. Nur die
Jugendlichen sprechen untereinander auch deutsch.
(Musik)
Autorin: Warum ist die Familie
Gelfand eigentlich nach Berlin
ausgewandert? Warum nicht nach Amerika oder
Israel? Die Antwort liegt vermutlich schon 65
Jahre zurück und
hat mit dem Großvater zu tun.
Sprecher: Oktober 1945.
Dienstliche Beurteilung des Granatwerferzugführers
Leutnant Wladimir Natanowitsch Gelfand Geboren
1923, Jude, Zivilbeschäftigter, Mitglied der
KPdSU, allgemeine mittlere Reife, Teilnehmer am
Vaterländischen Krieg.
Ausgezeichnet mit dem Orden „Roter
Stern“, eine leichte Verwundung.
Leutnant Wladimir Natanowitsch Gelfand hat sich in der
Zeit seines Dienstes als disziplinierter und
konsequenter Offizier
gezeigt und ist politisch entwickelt. Er ist um
die Erweiterung seines
Wissens bemüht, genießt unter
den Offizieren Ansehen, ist körperlich
gesund, moralisch gefestigt und der Sache der
Partei Lenins und Stalins
sowie der sozialistischen Heimat treu ergeben.
O-Ton: Mutter Bella ( spricht ihr eigenes Deutsch,
eventuell Overvoice)
Wladimir war immer krank, er hat Schmerzen gehabt im
Herzen und im Kopf. Und immer huuuu... immer ein
Ton im Kopf. Und in
den letzten Jahren wurde er immer vergesslicher.
Wir gingen zum
Arzt und er hat in seine Augen geguckt und
gesagt, er hat ein großes
Problem mit dem Kopf. Sein Kopf ist krank.
O-Ton: Enkel Wowa Von dem, was ich
weiß, wie Großvater gestorben ist...
ist, dass er während des Krieges, als
eine Bombe in seiner Nähe explodierte,
eine Prellung in seinem Gehirn erhalten hat und
dass er seitdem diese
Kopfschmerzen hatte und sein
Erinnerungsvermögen beeinträchtigt war.
O-Ton:Mutter Bella (eventuell Overvoice)
Er kam ins Krankenhaus und der Arzt sagte, ich soll in
einem anderen Zimmer warten. Ich sitze und dann
gehe ich rein und
gucke, er liegt da und sagt kein Wort. Und ich
sage, was ist los... da war er
schon gestorben.
O-Ton russisch:
Sohn Vitaly (Overvoice)
Vater ist gestorben als ich in der Armee war. Ich
wurde nicht zu seiner Beerdigung gelassen.
Wir hatten einen Kapitän, Potapov, ein Antisemit.
Hätte es im Bataillon mehr Juden
gegeben, wäre es vielleicht einfacher
gewesen. Aber ich war der einzige, und sein
ganzer antisemitischer Hass war
allein auf mich konzentriert. Das Telegramm
über den Tod meines Vaters
gab er mir erst, als ich aus der Hauptwache kam.
Und sein Kommentar war
in etwa: "Hier Jude, ein Telegramm...". Die
Beerdigung war da
bereits vorbei.
Der Vater wollte zu meinem Bruder am anderen Ende der
Stadt fahren, um ihm irgendwelche
Bücher zu bringen... und ist
verschwunden. Drei Tage haben wir ihn gesucht.
Wir haben Anzeige bei der
Polizei erstattet, haben herumtelefoniert, haben
Photos überall in der Stadt
angeklebt. Er hatte sich verirrt und fand den
Weg nach Hause nicht mehr.
Nachts bemerkte ihn eine Tramfahrerin im Zentrum der
Stadt. Er saß auf einer Bank in einer
Hauptstrasse. Sie hielt an und
rief die Polizei. Die Polizei brachte ihn ins
Krankenhaus. Dort ist er drei
Tage später gestorben.
(Musik:
Efim Jourist „Russisches
Roulette“ Nr 2 ‚Wenn du mich liebst’ Von Anfang bis
0.38 min., dann weiter unter dem Text)
O-Ton: Enkel Wowa Mein Großvater
war sechzig Jahre, als er gestorben
ist... das war im Jahr 1983. Ich hab ihn nicht
mehr kennengelernt... bin ja
erst vier Jahre später geboren, 1987.
Meine Großmutter bestand darauf, dass
ich seinen Namen bekomme, Wladimir.
Autorin: Wladimir Natanowitsch
Gelfand war ein ungewöhnlicher
Mann. Er war vielseitig interessiert, politisch
und künstlerisch
aktiv, sprach deutsch, war
gerecht und liebevoll.
O-Ton: Enkel Wowa Als er so alt war wie ich
jetzt bin, 22, war er hier,
in Berlin. Das war 1945. Großvater war
damals Leutnant in der Roten Armee und
befreite Berlin von den Nazis. Er hat dann etwa
ein Jahr als Besatzungsoffizier
in Berlin gelebt. Alles,
was er damals sah und erlebte, hat er in sein
Tagebuch geschrieben.
Er schrieb offen über die besiegten Deutschen und
über
die Zustände in der Roten Armee. Er war
mutig und hatte keine Angst vor
seinen Vorgesetzten. Er hat immer wieder alles
aufgeschrieben. Vielleicht
hatte das etwas mit seinem Traum zu tun, dass er
Schriftsteller werden
wollte.
(Musik bei 1.40
ausblenden, vor dem schnellen
Teil)
Dass wir heute lesen
können, was er damals
aufgeschrieben hat, verdanken wir meinem Vater,
Vitaly Gelfand, denn er hat die
Tagebücher gerettet.
(Montage verschiedener
Tagebuchaufzeichnungen; darunter feierndes russisches Militär,
Lachen ... etc.)
Tagebuch:
(Zitatsprecher) Frühjahr
1945. Diebstahl und Betrug sind in der Kompanie
zu einer
Tradition geworden. Sie
schrecken vor keiner Schäbigkeit zurück, machen
Koffer kaputt, brechen Schlösser auf...
Karpienko scheint sich wohl wie jeden Tag bis zur
Besinnungslosigkeit zu besaufen.
Gestern hat Rybkin eine Büste von Schiller zerschlagen
und hätte wohl auch Goethe vernichtet,
wenn ich ihn diesem Narren
nicht aus den Händen gerissen
hätte.
(Militärs ausblenden)
26.Oktober 1945
Zu Ehren der Beendigung des Krieges beschloss ich, ein
Gedicht zu verfassen. Als es schon fast gelungen
war, schnappte
es ein Leutnant und verlachte es. Er sagte
sinngemäß: ich solle das
Schreiben aufgeben. Ich begann an mir zu
zweifeln und war in
sehr bedrückter Stimmung...
14. November 1945
Im Zug fragt mich ein Deutscher ganz unvermittelt und
ernsthaft: “Wird Deutschland wieder
groß und stark werden?“
Schlussfolgerungen spare ich mir.
(Langsames Anschwellen von
geschäftigem Murmeln,
Marktsituation)
O-Ton: Enkel Wowa Nach dem Krieg wollte mein
Großvater das Leben nur
noch genießen. Er war jung und hat
sich nicht um Verbote gekümmert oder
Vorschriften. Er ging aus und ging auch auf den
Schwarzmarkt und
kaufte alles mögliche... einen Anzug,
einen Hut, eine Sonnenbrille,
Handschuhe... er hat sich sogar ein Fahrrad
gekauft. Dann ließ er sich
mit den ganzen Sachen fotografieren und schickte
die Fotos nach
Hause.
(Marktgeräusche
ausblenden)
Autorin: Wladimir Gelfand fand auch
immer wieder Zeit für sein
Tagebuch. Sein Schreibtalent war so
auffällig, dass er sogar zum
Schreiben des Kriegstagebuchs herangezogen wurde.
Er schickte regelmäßig Briefe an seine Mutter und
seinen Vater, die getrennt voneinander lebten.
Er berichtet, dass er in
Berlin in der Transportabteilung arbeitet, wo
deutsche
Industrieanlagen demontiert und in die UdSSR
transportiert werden, er schreibt über
seine Mädchenbekanntschaften und
darüber dass er als
Besatzungsoffizier gut versorgt ist und
genügend Lebensmittel bekommt.
Tagebuch: (Zitatsprecher) Brief an Vater vom
1. April 1946
Sei gegrüßt, mein lieber Papa! Dein langerwarteter
Brief mit dem Photo ist angekommen - ich danke
Dir sehr!
Du sprichst von den Kränkungen und Leiden, die wir
unverschuldet ertragen müssen, da wir
nun einmal Juden sind, und
darin stimme ich mit Dir überein
– wie viel Strapazen habe ich den
Krieg über erdulden müssen,
wie viel Hohn und Spott, wie viel Grobheit
allein deshalb, weil ich Jude bin. Das tat weh,
der Krieg war dadurch
zehnfach schwerer, das Leben beschwerlicher. Als
ich vom Tod der Verwandten in Jessentuki erfuhr,
gab ich mich ganz dem Gefühl der Rache
hin, und seitdem habe ich
keine Kräfte noch Mittel für
den Sieg geschont.
O-Ton: Enkel Wowa In Jessentuki lebte die
Familie meines Urgroßvaters.
Das liegt in der Nähe vom Kaukasus. Als
es 1942 besetzt wurde, haben
die Nazis die ganze Familie ermordet. Nur mein
Urgroßvater hat
überlebt, weil er nicht dabei war.
(Sirrender
Geigenton: „String perspectives“ von Anthony Pleeth)
Tagebuch: (Zitatsprecher) Berlin, 10. Juni
1946
Es begann, nachdem ich eine Zigarette geraucht hatte.
Als hätte ich tausend Steine im Kopf,
und die Gedanken sind alle
raus. Ich fühle mich so dumpf und
elend. Was ist das für eine
geheimnisvolle, unerklärliche
Krankheit....
(Sirrenden Ton ausblenden)
O-Ton: Enkel Wowa Mein Großvater
wusste damals noch nicht, dass diese
Schmerzen von seiner Kriegsverletzung kommen und
ihn sein Leben lang
begleiten werden.
Autorin: Im Herbst 1946 wurde ein
Teil der Roten Armee
demobilisiert und Wladimir Gelfand konnte nach
Hause in die Ukraine fahren. Vorher aber feierte
er mit seiner Kompanie ein großes
Fest. Für rund 1000 Mark besorgte er
reichlich Lebensmittel, Wodka,
Schmalz und Zwiebeln. Dann gelang es ihm, noch
eine elegante Schreibmaschine
zu kaufen. Mit acht Koffern, zwei Mänteln, einem
Radioempfänger und
einem Fahrrad reiste er zu seiner Mutter nach
Dnjepropetrowsk.
(Musik ausblenden)
O-Ton: Enkel Wowa Mein Großvater,
Wladimir Gelfand, studierte Russische
Sprache und Literatur in Dnjepropetrowsk.
Er heiratete eine Schulfreundin, aber die Ehe ging
schief und sie haben sich getrennt. Dann er
lebte wieder bei seiner Mutter. In
Dnjepropetrowsk wurde er Berufsschullehrer für
Geschichte, Literatur und russische Sprache.
Er schrieb auch nach dem Krieg sein Tagebuch weiter.
Er schrieb viel darüber, wie schwer es
die Juden in der Sowjetunion
haben.
Tagebuch: (Zitatsprecher) 5. Februar 1953
Es gibt noch Perewalow in der Gruppe 7. In jedem
Unterricht schreit er mich an
„Jude“ und jeden Tag kommt er plötzlich
ganz
frech mit dem Spruch „Warum hat Hitler
nicht alle Juden getötet?“
Das Verschwinden eines Porträts von Karl Marx wurde
vor ein paar Tagen während meines
Unterrichts kommentiert: „Diese Juden
muss man töten. Nur ihretwegen gibt es
Kriege. Sie leben gut und uns
geht es schlecht“.
Und anderes.
Und ich habe versucht zu erklären, was eigentlich
Juden sind. Dass alle Nationalitäten
gleich sind und dass es bei allen
Helden oder Versager, Kluge oder Dumme, Freunde
oder Feinde gibt.
Gleichzeitig habe ich ein paar bekannte
jüdische Namen genannt: Marx, Sverdlow,
Heine, Spinoza und andere. Am nächsten
Tag kommt der Schul-Leiter
rein und fragt:“ Wer hat das Marx-Bild
von der Wand weggenommen. Marx ist
verschwunden!
An der Wand hängt nur noch ein Porträt von Lenin, das
stört die Symmetrie“. Schon
seit ein paar Tagen fehlt das
Porträt von Marx. So lebendig ist in
der Ukraine die pogromähnliche
Stimmung.
(Musik: Efrim
Jourist „Russian
Rhapsody“ Nr. 4 ‘Rote Sarafan’, von Beginn an)
13. Januar1958 In der letzten
Zeit habe ich Glück. Es gibt Liebe von
überall, angefangen von den
Schülerinnen bis zu geschiedenen Frauen. Aber
die für mich Begehrenswerteste ist
nicht hier.
O-Ton: Enkel Wowa Jetzt kommt meine
Großmutter: Bella Jefimowna
Schulman. Sie hatte in den 50er Jahren ihr
Lehrerstudium abgeschlossen und
unterrichtet bereits die oberen Klassen. Als
beide sich kennen gelernt
haben, war sie zehn Jahre jünger als
Großvater.
(Musik ausblenden)
O-Ton: Mutter Bella (eventuell Overvoice)
Und ich war mal am Samstag und Sonntag bei den Eltern.
Sie hatten ein kleines Haus... ein Zimmer und
eine Küche, das ist
schon ein Haus. Das war 1958, schwere Zeiten,
alle haben sehr arm gelebt.
Und die Mutter sagte, es kommt Besuch und ich
wusste nicht, dass es
Wladimir Gelfand war. Nun, wir saßen
am großen Tisch, tranken Tee und aßen
Süßigkeiten und er
saß zwischen den Bekannten. Wir haben
gesprochen... er war ein sehr gebildeter Mensch,
sehr. Er hatte viel gesehen,
weil er Soldat war, hat dann an der
Universität russische Sprache und
Literatur gelernt. Wir haben den ganzen Abend
geredet. Und ich guckte den
jungen Mann an, er hatte ein sehr
schönes Gesicht und ich war 22
Jahre und wir redeten, redeten, redeten. Und am
nächsten Tag fuhr er schon
zurück nach Dnjepropetrowsk zu seiner
Mutter.
Tagebuch:
(Zitatsprecher) Dnjepropetrowsk:
den 13. Januar 1958
Alles hängt von ‚ihr’ ab. Wird sie lieb zu
mir sein,
wird sie einen Schritt auf mich zu machen?
Oder... Aber jetzt möchte ich Bella
einen Brief schreiben, meine Begehrteste, die
sehr weit entfernt ist, auf der
Krim.
„Guten Tag, Bella, Sie haben mir eine
Ethik-Stunde erteilt, ich nehme das
an, ohne beleidigt zu sein. Ich habe das
verdient. Natürlich durfte ich Sie
nicht gleich im ersten Brief hierher einladen.
Aber ich habe mich an Ihre
Ferien erinnert und habe sofort an die
Möglichkeit gedacht, falls Sie nach
Moskau oder Kiew fahren würden, durch
Dnjepropetrowsk zu kommen. Würden
Sie beleidigt sein, wenn ich Sie bei solch einer
Gelegenheit treffen
könnte?
Und als ich keine Antwort bekam, hat mein
Selbstbewusstsein gelitten. Jetzt sage ich
ehrlich – Ihr Brief hat mir Flügel verliehen.
Ich möchte so schnell wie
möglich einen Schlüssel zu einem guten,
freundlichen Gespräch mit Ihnen finden.
Wie Sie sehen, bin ich ungeduldig. Ich habe mich
in meinen Gefühlen Ihnen gegenüber
geöffnet. Das ist tödlich
für eine gute Beziehung, sagt man allgemein.
Aber ich möchte diesen Konventionen
nicht folgen. Ich will nicht mein
ganzes Leben nach
logischen Gedanken leben. Das Herz ist genauso wie das
Leben unlogisch und ich möchte meine
Gefühle nicht verstecken. Bleiben Sie
gesund und glücklich. Wowa. Antworten Sie
bitte schnell.“
O-Ton: Mutter Bella (eventuell Overvoice)
Und er schreibt mir, dass er mich treffen möchte und
dass ich ihm sehr gefalle. Und jeden Tag bekomme
ich von ihm einen
Brief, jeden Tag. Er schreibt und schreibt. Und
ich antworte und antworte.
O-Ton: Mutter Bella (eventuell Overvoice)
Dann waren Schul-Ferien. Und ich sitze im
Lehrerzimmer, ein großer Tisch,
großes Fenster und ein langer Weg... und
plötzlich kommt... wer ist das... ein
junger Mann... es ist Wladimir. Er hat
nicht gesagt, dass er kommt. Wir sprachen und
haben gegessen und gingen
spazieren und er sagte, bald sind Ferien, dann
besuch mich in Dnjepropetrowsk. Wir
Mädchen waren anders als die heutigen, wir wollten
keine Schande... nein... schlafen... nein, nein.
Und ich sah aber
diesen klugen Mann, den sehr schönen
Mann und ich sagte, wenn Ferien sind,
werde ich kommen.
(Musik: „Russian
Rhapsodie“ wieder Nr. 4 ab 1.39 min. das gleiche
Anfangs-Motiv nur mit Bass)
O-Ton: Enkel Wowa Meine Großmutter
Bella Jefimowna Schulman und mein
Großvater Wladimir Gelfand blieben
zusammen. Sie lebten dann in
Dnjepropetrowsk bei Großvaters Eltern.
Die waren wieder zusammen
gezogen.
O-Ton: Mutter Bella (eventuell Overvoice)
Bei Wladimir gab es ein Zimmer, wie meine Küche hier.
Und Vater, Mutter, ich und Wladimir lebten alle
in einem Zimmer. Wladimir hat in Dnjepropetrowsk
gearbeitet als Lehrer,
aber dann wurde er arbeitslos. In dieser Zeit
war es für Juden sehr
schwer, Arbeit zu finden. Er war ein guter
Mensch, ein guter Lehrer. In keiner
Schule kam er an. Als ich gekommen bin, hatte er
keine Arbeit. Da habe ich
gesagt, ich werde arbeiten. Bin in die Schule
gegangen und sagte, dass
ich Lehrerin bin, zeigte mein Diplom und der
Direktor sagte, warum bist
du gekommen. Ich sagte, ich habe geheiratet und
will arbeiten. Nein,
keine Arbeit.
Wir bekamen keine Arbeit, weil wir Juden waren. Meine
Familie hieß Schulmann, ich zeige mein
Diplom... Schulmann,
Bella... dann guckt er... nein, keine
Arbeit...geh! Und ich sage, ich nehme auch
die erste Klasse, oder vielleicht gibt es Arbeit
in der Bibliothek...
nein, keine Arbeit.
Ich bin böse auf die Ukraine, denn in der Ukraine gab
es für mich kein gutes Wort und ich
liebe sie nicht, nur, dass ich
Gelfand dort getroffen habe, das war gut.
Neben dem Haus war ein kleines Stückchen Erde. Alle
haben geholfen, auch der Bruder und die
Schwester und haben in einem
Monat ein kleines Zimmer gebaut, 11
Quadratmeter. Wir waren glücklich...
ein Zimmer.... ooooh. Wir haben dort vielleicht
zehn Jahr gelebt. Und
dann hatte ich schon einen Sohn.
Wladimir hatte ein bisschen Geld
verdient und ich
sagte, was sollen wir kaufen, Anzug oder Tisch.
Denn dort hatten wir keinen
Tisch, es gab nur ein Bett und ein kleines Bett
für das Kind. Und
Wladimir sagte, das erste, was wir kaufen, ist
ein Piano. Ich sagte, warum? Ich
liebe sehr Musik. Ich habe als kleines Kind
Klavierspielen gelernt und ich
sollte das weitermachen. Und die Kinder sollten
auch
Klavierspielen lernen. Das ist besser als alles
andere.
Und das erste Möbel, was wir gekauft haben... kein
Stuhl, kein Anzug oder... nein, ein Piano. Aber
wir hatten keinen Platz,
wir haben es dann bei der Mutter aufgestellt.
Und ich ging immer dorthin und
habe gespielt.
(Klaviermusik
ausblenden)
Wladimir war ein guter Vater, er
hat die Kinder sehr
geliebt. Aber er hatte immer Herz- und
Kopfschmerzen durch den Krieg und auch
Rückenschmerzen. Wir hatten keinen Kinderwagen und er
hat die Kinder immer auf dem Arm getragen. Ich
sagte, gib sie mir, du
hast Schmerzen.
Und die Mutter sagte, du darfst sie nicht tragen. Er
antwortete dann, das ist meins und das ist mir
nicht zu schwer.
O-Ton russisch:
Sohn Vitaly (Overvoice)
An alles, was mit Vater verbunden ist, an alles kann
ich mich erinnern. Es sind unglaublich viele
Erinnerungen. Fängt man mit
einer an, kommen die anderen gleich hinterher.
Bis ich etwa 13 Jahre alt
war, hat er mir viele wunderbare
Märchen erzählt. Es war so: Er liegt neben
mir und erzählt. Erzählt und
schläft ein. Ich wecke ihn, und er erzählt
weiter.
O-Ton: Mutter Bella (eventuell Overvoice)
Wladimir arbeitete dann an einer Berufs-Schule. Sie
bauten Häuser und ich sagte, du musst
nach einer größeren Wohnung fragen.
Aber Wladimir konnte schlecht gehen und sagen:
bitte, bitte gib
mir... Er konnte das nicht.
Und da sagte ich, nun, dann gehe ich. Ich ging zu
seinem Chef und habe gesagt, wir können
so nicht leben, sie müssen uns
helfen. Wir leben mit einem Kind in einem
Zimmer. Und dann kam das zweite
Kind. Und er sagte, nun gut... und nach einiger
Zeit bekamen wir
drei Zimmer. Das war für mich wie im
Kosmos laufen... drei Zimmer mit
Balkon ... oooh, drei Zimmer... ich rief zu den
Kindern „Wo bist du, wo bist
du“... habe sie gesucht.
O-Ton russisch:
Sohn Vitaly (Overvoice)
Ich war damals sechs. Gena - mein Bruder - vier Jahre
älter – er schleppte mich am
Arm durch die ganze Wohnung und schrie im
Laufen: "Schau! Ein Zimmer! Schau! Noch ein
Zimmer! Schau! Ein
Badezimmer! Wasser aus der Dusche! Eine
Toilette! Noch ein
Zimmer!!!" Es war wirklich im Schock: so viele
Zimmer, ein Badezimmer mit einer
echten Dusche, eine Toilette, eine
Küche...
(Klaviermusik
einblenden: Dimitry Shostakovich „Sonata Nr. 2“)
O-Ton: Mutter
Bella (eventuell
Overvoice)
Dann haben wir das Piano dort aufgestellt und hatten
auch ein paar Möbel. Wir haben viele
Freunde gehabt. Ich liebe Gäste, auch
an den Feiertagen, März,
Frauentag, 1. Mai.... Wir gingen nicht in
Restaurants, das war viel zu teuer.
Wir waren immer zu Hause. Drei Zimmer,
großer Tisch.... kommt alle zu
mir. Wir haben gesessen, getrunken und gegessen
und gesprochen. Und
dann haben wir gesungen und ich spielte ein
bisschen Piano.
O-Ton russisch:
SohnVitaly (Overvoice)
Mutter bereitete Teigtaschen mit Kartoffeln zu - schon
immer, solange ich mich zurückerinnern
kann, war dies das Hauptgericht.
Alle aßen, unterhielten sich und
sangen. Mutter spielte Klavier.
Wir und die Kinder der Gäste, es kamen
fast immer die gleichen Leute,
bauten aus Stühlen kleine
Häuser und die Freude war riesengroß.
(Piano-Musik ausblenden)
O-Ton: Mutter Bella (eventuell Overvoice)
Wladimir hat viel gearbeitet. Er ging früh und kam
sehr spät, sieben, acht auch zehn Uhr
kam er nach Hause. Er hat als Berufsschul-Lehrer
mit den Kindern gearbeitet
und nach dem Unterricht hat er ein Kriegsmuseum
eingerichtet. Er
mobilisierte alle Kinder und hat gefragt: was
habt ihr zu Hause, was
haben die Eltern. Die Kinder kamen ja auch aus
der Umgebung, von den
Dörfern. Und die Kinder haben deutsche
und russische Sachen gebracht:
Mappen und Jacke und Stiefel und Anzug und
Pistole und Gewehr, aber die
waren schon kaputt. Sie brachten viele Sachen
und er sagte dem
Direktor, ich mache ein Museum. Und der sagte,
nun gut, machen Sie. Das ist
gut. In einen Klassenraum stellte er Tische auf
und hat alle Sachen
aufgestellt und bezeichnet. Und die Leute aus
dem Stadt-Museum kamen
gucken und sagten: sehr gut.
Die Kinder in der Schule haben ihn sehr geliebt, weil
er nicht streng war, sondern er war sehr
verständnisvoll und freundlich. Er
hat den Kindern viel erzählt vom Krieg
und von der Zeit nach dem Krieg in
Berlin. Nur von den Geschichten der Russen, was
er gesehen hat, was sie
mit den deutschen Soldaten und mit deutschen
Frauen gemacht haben, das
hat er nicht erzählt, weil er Angst
hatte, dafür ins Gefängnis zu kommen.
Aber er hat es in sein Tagebuch geschrieben. Und
mir hat er viel davon
erzählt.
O-Ton russisch:
Sohn Vitaly (Overvoice)
(Lärm in einer Schulklasse)
Vater hat mich oft in die Berufsschule mitgenommen. Er
ließ mich in der letzten Reihe sitzen
und unterrichtete. In der Klasse
gab es sehr freche Jugendliche: sie lachten,
haben sich und den Vater mit
Papier beworfen, schossen aus Strohhalmen,
nannten ihn: Wladimiritsch.
Mein Herz zog sich zusammen, als ich das sah.
Aber er erzählte weiter,
tat so, als wäre das alles normal, als
passiere nichts Besonderes. Ermahnte sie
nur. Das Schlimmste war, dass ich bemerkte, wie
unangenehm es ihm war,
dass ich das alles mit
ansah.
(Schulklasse ausblenden)
O-Ton: Mutter Bella (eventuell Overvoice)
Er saß immer und hat geschrieben, geschrieben,
geschrieben. Ich sagte, geh doch mal spazieren!
Nein, ich will schreiben, immer
das Tagebuch. Er sagte, wenn ich Rentner bin,
schreibe ich ein Buch.
O-Ton russisch:
Sohn Vitaly (Overvoice)
Vater hat Bücher sehr geliebt und sie gesammelt. Wenn
er jemandem eins auslieh und es nicht
zurückbekam, war das eine
Tragödie für ihn. Als ich 15
war, habe ich angefangen diese Bücher zu verkaufen,
habe sie in die Antiquariate gegeben. Ein Buch -
3 Rubel. Ein anderes
– ein Rubel. 5 Bücher - 10
Rubel. Es gab viele Bücher mit Widmungen -
die habe ich nicht angerührt. Und ich
weiß nicht, wie mir solch ein
Fehler unterlaufen konnte: ich habe ein Buch von
Ilja Ehrenburg verkauft
mit einer Widmung
für den Vater.
Autorin: Wladimir Gelfand war ein
leidenschaftlicher Verehrer
von Ilja Ehrenburg. Aus diesem Grund hatte er
als Literatur-Student eine
Arbeit über Ehrenburg geschrieben und
war nach Moskau gefahren, um
sie seinem großen Vorbild
persönlich in seiner Wohnung zu
überreichen. Es war nicht einfach, zu
Ehrenburg vorzudringen, aber Gelfand hatte
es geschafft. Bei diesem Besuch schenkte ihm
Ehrenburg sein Buch „Der
Sturm“ mit der persönlichen
Widmung.
O-Ton russisch:
Sohn Vitaly (Overvoice)
Was dann kam – ich erinnere mich nur ungern daran.
Reden, Reden, Reden... Besonders wegen des Buchs
von Ehrenburg -
darüber trauerte er am meisten. Und ich
trauerte nicht weniger. Aber was
konnte man noch tun?
Vieles ist passiert, aber er hat uns niemals
angeschrien oder geschlagen. Er redete
bloß, erklärte...
Er hat uns Pünktlichkeit und Pflichtbewusstsein
beigebracht. Solange wie ich mich an ihn
erinnere: Er und der Tisch
im Wohnzimmer, überfüllt mit
Zeitungen und Schriften, und er
schreibt, schreibt, schreibt und schreibt...
Tagsüber, wenn er zu Hause ist,
nachtsüber... die ganze Zeit. Er hat
sich nur durch politische Sendungen und
Nachrichten im Fernsehen ablenken lassen.
Wir spielten manchmal Schach mit Vater. Schach hat mir
Großmutter - die Mutter meiner Mutter
- beigebracht. Ich glaube ich
habe kein einziges Mal gegen ihn gewonnen.
Großmutter, im Gegensatz zu Vater,
hat immer nachgegeben. Und sie machte es sehr
geschickt, so dass
ich es nicht bemerkte. Vater hat niemals
nachgegeben.
Er hat mir auch gezeigt, wie man Fotos entwickelt. Im
Badezimmer: rote Lampe, Entwickler, Fixierbad,
sauberes Wasser... . Das
alles hat mir sehr gefallen.
(Musik einblenden:
Efim Jourist
„Russisches Roulette“ Nr.2 (Anfangsmotiv) ab 0.44 min. Musik
geht über in Schreibmaschinengeklapper.)
O-Ton russisch:
Sohn Vitaly (Overvoice)
Nach seinem Tod hinterließ Vater nicht weniger als 10
Koffer mit Papieren, Zeitungen und Ausschnitten.
Darunter fand
ich die Tagebücher. Vater wollte damals
die Tagebücher in einen Verlag
bringen und zur Publikation anbieten. Aber das
hätte nur eins
bedeutet: sein eigenes Urteil zu unterzeichnen -
entweder Gefängnis oder Irrenhaus.
Die Tagebücher verunglimpften ja durch
ihren ganzen Inhalt die
Sowjetunion, die Rote Armee, die sowjetische
Wirklichkeit, den Großen
Vaterländischen Krieg - alles.
Die Tagebücher habe ich dann sortiert und habe
angefangen, sie abzuschreiben. Am Anfang mit der
Hand. Dann reparierte
ich Vaters deutsche Trophäe –
die Schreibmaschine
"Mercedes" und schrieb auf ihr. Ich habe
angefangen, mit einem Finger zu schreiben:
Ich saß und suchte jeweils eine halbe
Minute einen Buchstaben.
Ich glaube, das alles begann 1985.
Ich beschloss: ein Buch herauszugeben. Ich hatte nicht
die geringsten Zweifel, dass ein Buch daraus
wird. Auf Russisch,
natürlich. Ich beschloss, es auf jeden
Fall zu veröffentlichen – wenn es sein
muss, sogar schwarz. So wie die Bücher
von Solschenizyn. Denn es gab keine
Meinungsfreiheit, es war die UdSSR.
(Schreibmaschine ausblenden)
O-Ton: Enkel Wowa Doch dann kamen
Gorbatschow, die Perestroika und die
ganzen politischen Veränderungen... und
meine Familie überlegte
auszuwandern. Sie haben sich gefragt, ob es
Israel oder Deutschland wird. Aber
ich bekam von all dem nichts mit, ich war ja
erst drei Jahre alt.
(Langsam einsetzendes
Zuggerattern)
O-Ton russisch:
Sohn Vitaly (Overvoice)
Ich und Mutter gingen zu verschiedenen jüdischen
Veranstaltungen. Und immer liefen alle
Gespräche auf eins hinaus: Man muss
fahren.
Wir hatten Pläne mit Israel. Dann, vier Jahre vor uns,
sind unsere Bekannten nach Deutschland gefahren.
Ich habe sie
besucht.
O-Ton: Enkel Wowa Als mein Vater
zurück kam, haben wir die Datscha, die
Wohnung und überhaupt alles verkauft,
nahmen das Geld und stiegen
in den Zug. Wir fuhren erst über Kiew
und dann über die deutsche
Grenze. Mir wurde nicht gesagt, wohin wir
fahren. Ich habe auch nicht gefragt,
ich wusste einfach, dass das, was meine Eltern
tun, richtig ist. Am Ende
waren wir einfach in Deutschland.
(Zugrattern ausblenden)
O-Ton: Mutter Bella (eventuell Overvoice)
Denn das Leben in der Ukraine war sehr schwer,
unmöglich. Das Geld fehlte, woher
nehmen. Die Kinder hatten keine Arbeit.
Die Rente war klein. Keine Milch, kein Fleisch.
Am Abend gehe ich ins
Geschäft und die notieren meinen Namen,
morgens früh um sechs Uhr gehe
ich noch mal hin und die sagen, ah, bist du da,
gut. Und dann, um acht
Uhr, wird geöffnet und dann bekomme ich
Milch. So viele male gehen für
ein bisschen Milch. Und dann der
Antisemitismus... er ist durch unser
ganzes Leben gegangen.
Juden, das ist schlecht, du bist schlecht. Es gab
keine Arbeit. Die sahen am Gesicht bei meinem
Mann und den Kindern, dass sie
Juden sind. Der Direktor des metallurgischen
Instituts Kablukow hat
gesagt: bei mir lernt kein Jude. Viele Leute
haben einfach Geld gegeben, sie
haben bestochen und konnten im Institut lernen.
Ich habe jetzt keine
Angst, das zu sagen.
Wir waren Menschen wie alle anderen. Nicht schlecht,
was konnten wir schlecht machen? Wir haben
gelebt wie alle anderen. Aber jetzt leben wir
hier und das ist gut, keiner
macht mich schlecht. Ich habe schon die deutsche
Staatsangehörigkeit. Ich fühle
mich gut in Berlin.
O-Ton russisch:
Sohn Vitaly (Overvoice)
Wir fuhren weg und die Heimat flüsterte uns nach: die
Juden fahren weg. Die Heimat hasste uns: Im
Bürgeramt, wo ich Dokumente
besorgt habe, in der Sparkasse, wo ich mein
Konto auflöste, in der
Hausverwaltung, wo ich die Dokumente
für die Visa-Abteilung geholt habe, in
der Schlange in der deutschen Botschaft in Kiew,
im Haus, wo wir
wohnten...
Jetzt bin ich hier zu Hause. Jetzt bin ich Berliner.
O-Ton: Enkel Wowa Am Anfang kamen wir in ein
Heim in Potsdam. Dort waren
die ganzen Flüchtlinge untergebracht,
die meisten waren Russen. Ich ging dort gleich
in die erste Klasse. Später zogen wir
dann nach Berlin und ich ging dort in
die Grundschule. bIch hatte sehr viele
ausländische Freunde und... naja,
daher auch mein Akzent.
O-Ton russisch:
Sohn Vitaly (Overvoice)
Als wir nach Deutschland fuhren, hatte ich große
Angst, dass uns der Zoll alles wegnimmt. Die
Tagebücher lagen auf dem Boden von
4 Koffern. Obendrauf irgendwelche anderen
Dinge... Natürlich hätten Sie
sie wegnehmen können, kein Geld
der Welt hätte sie davon abgehalten.
Aber ich kam durch. Sie haben die
Dachen nicht durchsucht. Ihre psychologischen
Methoden sind direkt.
Man wird angestarrt und gefragt: "Gold, Drogen,
Waffen,
Antiquitäten, Geld!?".
Wenn man in Panik gerät, den Blick abwendet oder
irgendetwas brummelt, beginnen sie sofort zu
suchen.
Wir kamen 1995. 1997 kaufte ich mir irgendwo einen
Computer und schrieb die Tagebücher
weiter ab. 2002 war ich fertig
damit. Insgesamt
eine Arbeit von rund 15 Jahren.
O-Ton: Enkel Wowa Mein Vater, Vitaly Gelfand,
hat endlich sein Ziel
erreicht: das
„Deutschland-Tagebuch“ meines Großvaters
wurde 2005
ins Deutsche übersetzt und in Berlin
veröffentlicht.
Autorin: Das war ein Erfolg, den
kaum jemand für möglich
gehalten hatte. Der hartnäckige Vitaly
versuchte natürlich auch, das Buch
in Russland herauszubringen, aber das war
vollkommen aussichtslos.
O-Ton russisch:
Sohn
Vitaly (Overvoice)
Der Redakteur hat zu mir gesagt: Du verstehst doch,
wir haben heute Putin... Ich will nicht, dass
die ganze Auflage erst
gedruckt und dann kurz vor dem Verkauf
beschlagnahmt wird. Das kann ich nicht
riskieren... Es zog sich ein halbes Jahr hin: in
langen Gesprächen,
Briefen und Telefonanrufen habe ich es nicht
geschafft. Die
Bedingung des Verlages war: Wir schneiden aus
den Tagebüchern alle jüdischen
Momente heraus, alle konflikthaltigen Episoden
und alle Passagen, wo
Negatives über die Rote Armee vorkommt
und lassen nur Vaters Weg durch
den Krieg stehen.
Sie brauchen die wirkliche Geschichte nicht. Alles ist
verdreht und von Anfang bis zu Ende
verfälscht. Heute wird in Russland
nach den im letzten Jahr neu aufgelegten
Geschichtsbüchern unterrichtet,
dass Stalin ein Genie und die Repressionen
seiner Zeit eine geschichtliche
Notwendigkeit waren.
Der Name Putin wurde in die Lehrbücher geschrieben und
er wird dort als Nachfolger der großen
Sache Stalins bezeichnet. Das Land wurde
über viele lange Jahre ruiniert: Lenin,
Stalin, Jelzin. Als Putin an die Macht kam,
musste er nicht mehr viel tun:
das Volk ist auf eine Generation im Voraus
verdorben.
(Musik bis Ende unterlegen: Efim
Jourist „Russian
Rhapsody“‚Russische Rhapsodie’)
O-Ton: Enkel Wowa Wir leben jetzt schon 15
Jahre in Berlin, aber der
Kontakt zu den Deutschen ist irgendwie
schwierig. Ich weiß auch nicht
warum. Ich selbst habe viele
ausländische Freunde, türkische und
assyrische. Aber meine Familie bleibt irgendwie
unter sich. Die wohnen auch
alle in der Nähe... die ganzen
Bekannten aus Dnjepropetrowsk und aus dem Heim
und die besuchen sich auch ständig
untereinander.
O-Ton: Mutter Bella (eventuell Overvoice)
Ich habe Kontakt mit Deutschen, ich gehe und spreche
schlecht, aber es geht.
Ich spreche mit deutschen Leuten, nicht so viel, aber
ich spreche. Man versteht mich.
O-Ton russisch:
Sohn Vitaly (Overvoice)
Deutsche Freunde haben wir nicht. Ich würde gern mit
Deutschen befreundet sein, aber die
Mentalität ist so anders.
Verschiedene Interessen. Alles ist so
verschieden. Ich weiß nicht, wer von
unseren russischen Freunden
überhaupt deutsche Freunde hat.
Wahrscheinlich niemand. Alle pflegen
Kontakte mit Deutschen auf der
alltäglichen Ebene: Im Treppenhaus
mit den Nachbarn, im Supermarkt, beim Arzt, in
Institutionen. Wenn jemand zu mir ins Haus
kommt, freundschaftlich,
setzt sich hin, schaut mit uns Fernsehen und
hört Musik, isst mit uns,
raucht, unterhält sich - nehme ich die
Freundschaft gerne an. Aber man kommt nicht zu
uns und wir gehen nicht zu
ihnen.
O-Ton: Enkel Wowa Ich habe zwar Kontakt zu
Deutschen, aber die meisten
meiner Freunde sind Ausländer. Auch auf
meiner Schule sehe ich, wie die
einzelnen Ausländergruppen unter sich
bleiben. Es ist eine
Berufsfachschule und ich möchte meine
Fachhochschulreife erreichen. Später
möchte ich Kommunikationswissenschaften
studieren und vielleicht
Journalist werden.
Autorin: Der
größere Teil der Familie Gelfand besitzt bereits
einen deutschen Pass. Der 22jährige
Wladimir wartet noch darauf, dass die
Ukraine ihn aus der Staatsangehörigkeit
entlässt. Das kann noch dauern.
Sein 46 jähriger Vater Vitaly, der ein
Rückenleiden hat, muss erst eine feste
Stellung nachweisen. Man mag sich nicht
vorstellen, dass seine
Russland-Kenntnisse ungenutzt bleiben und er
vielleicht erst als Rentner seinen
deutschen Pass bekommt. Zurück in die
Ukraine möchten die Gelfands jedenfalls
nicht.
O-Ton russisch:
Sohn Vitaly (Overvoice)
Heimat ist dort, wo es gut ist. Heimat ist dort, wo
man sich sicher und als Mensch aufgehoben
fühlt. Wo man durch das Gesetz
geschützt ist und wo
keine Unordnung herrscht. Wo kein Hass ist.
Hier ist mein Vater gewesen, hier bin ich und hier
habe ich das Buch meines Vaters
veröffentlicht. Wenn ich kann, werde ich
auf jeden Fall etwas für das Land und
für Berlin tun, ich weiß bloß
noch nicht was. Jetzt erziehe ich erst einmal
meine Kinder so gut ich kann,
damit sie zu Menschen heranwachsen, das ist die
Hauptsache.
Красное
знамя развевается на рейхстаге в 1945 в Берлине (фото:АП)
Родина
там, где нет ненависти
Украинско-еврейская семья в
Берлине репортаж Дорис Нетенякоб
В 1945 году молодой лейтенант Владимир Гельфанд вошёл в разрушенный Берлин в составе Красной армии. Он
доверял своипереживания
дневнику и таким образом стал летописцем «часа ноль». Тогда
он не мог представить, что ровно 50 лет спустя его семья покинет
Украину и переедет жить в Берлин.
То, что как раз здесь "немецкий
дневник" появился, Гельфанд
не мог знать, он умер в 60 лет в Украине от поздних
последствий ранения на войне. Сын Виталий Гельфанд, внук Владимир и
вдова Белла
могут рассказывать о том, как государственный произвол и непрерывный
антисемитизм обостряли и без того тяжёлые условия жизни семьи в
Украине,
как они решились на отъезд. Сегодня сын говорит: "Родина там, где можно
чувствовать себя человеком, где защищен законом, где нет ненависти."
Задний план культура / радиопьеса Редакция: Сабина Кушлер
1
автор 2 диктор 3 Overvoice Виталий 4 диктор: цитаты из дневника
РЕЖИССУРА: Буркхард Райнарц
.
Указание
согласно авторскому праву
– неисправленный экземпляр –
Оригинальная запись по-русски: Сын Виталий Да,
я - житель Берлина. Здесь я дома. Когда я за рулём, я пропускаю пожилых людей и детей и уступаю дорогу
другим; дома я не шумлю с часу до трёх и после семи вечера. Я никому,
нигде и ни за что не даю взяток. Я не стесняюсь своего ломаного
немецкого. Я не боюсь полицейских на улице. Я не ворую в магазинах. Я
не надеваю костюм, когда иду в ресторан. Я знаю город как родной. Я езжу
всегда чуть быстрее разрешённого, часто не покупаю парковочный талон и
честно плачу штрафы.
Родина там, где нет ненависти
Автор: Они прибыли из Днепропетровска,
большого украинского промышленного города на Днепре. Они прибыли в
1995: Белла,
Яков, Геннадий, Анна, Наталья,
Виталий,
Елена, Владимир и Роман. Белла
Ефимовна - 77-летняя мать семьи Гельфанд.Ее первый сын
– Геннадий Владимирович, 50 лет, с женой Анной и дочерью
Натальей дома так же в
Берлине как и 46-летний, более молодой сын Виталий Владимирович, с
женой Еленой
и их обеими сыновьями Владимиром и Романом. Внуку Беллы –
Владимиру, было 7 лет
при прибытии в Германию.
Оригинальная запись: Внук Владимир: У
нас действительно не было денег. И на первый Новый
год... что мы получили в подарок... была каждому - одна немецкая марка.
И мы с братом
страшно
обрадовались...
действительно, это было... Мы получили в новогодний вечер 2 марки, это
было еще
более огромной радостью... это было для нас большое количество денег.
Мы брали
каталоги и вырезали украшения при помощи ножниц и говорили, если у нас
есть
наша собственная квартира, то мы будем вешать это всюду и что-то такое
в этом
роде.
Автор: С тех пор как семья Гельфанд в Германии, многое в их жизни изменилось к
лучшему. Некоторые
ожидания, однако, не оправдались. Так, братья и главы семей Геннадий и
Виталий, получившие на Украине инженерное образование, не смогли найти
в Берлине работу по специальности.
Теперь старший
- коммерческий директор в маленьком отеле. Также там заняты его жена и
дочь.
Виталий из-за больной спины не может заниматься
физической работой и
получает пособие по безработице. Его
первый брак распался, и
он женился на Ольге; у них есть четырёхлетняя дочь
София. У Ольги от предыдущего брака есть сын Владислав,
и она работает между прочим как продавщица.
Сам Виталий мог бы работать в учреждениях, которые
занимаются Россией.
Он прекрасно осведомлён о происходящих там проблемах, участвует в
важных обсуждениях в интернете и высказывает на форумах своё критическое
мнение о политике Путина.
Его оба сына Владимир, 22 и Роман, 15, иногда
живут у
него,иногда у их
матери. Владимир, в
семье в большинстве случаев, как Вова упомянутый, обучает четырехлетнюю Софию
игре в шахматы. Он играет на
гитаре
и любит рэппера „Eminem“.
Оригинальная запись: Внук Владимир: Это было уже отчетливо в
начальной школе, что я
услышал, я принадлежал к аутсайдерам, так как я не принес Nike и Adidas. Но тогда когда я поступил в гимназию, это
равнялось
наряду с Moabit и там были действительно много иностранцев. У нас
было
только 5 или 6 немцев из 30 человек в нашем классе. Иностранцы
были в численном превосходстве и они принесли тогда действительно все
фирменные
шмотки и как-нибудь говорили ее способом. И они были как-то свободнее, итак, я был как раз
зажат,
был действительно очень зажат. И
тогда я попал под
давление: мне тоже нужно было носить фирменные вещи, и я, конечно,
хотел быть среди «крутых», а не среди аутсайдеров. И тогда я сбился с пути и перестал
учиться, потому
что «крутые» тоже не учились. Они всё время
занимались чем-нибудь
другим. Мы высмеивали преподавателей и мы высмеивали хитрых учеников и
такие
вещи. У них
были отношения с красивыми девушками, и я тоже
хотел быть своим в этой компании. И тогда я прекратил учиться, тогда я получил
проблемы с руководством школы
и в конце концов меня исключили изгимназии.
Автор: Четыре семьи Гельфанд
живут совсем рядом друг с другом в Берлине — Тиргартене и
Шарлоттенбурге. Как в семьях эмигрантов, у них есть, прежде всего,
взаимный
контакт. Они нуждаются в близости, что один для другого, если помощь
требуется:
при болезни, при посещении органов власти, при профессиональных
проблемах.
Вместе оклеивают обои, кладут кафель, переносят электрические
устройства и ремонтируются.
Также Белла, мать и бабушка, все еще активна. Бывший
преподаватель дает дополнительное занятие... русского языка русским
ученикам и она
готовит!
Иногда она снабжает всю семью. От Виталия она живет только 500 метров и почти ежедневно она
прибывает
с ее „тележкой“ и приносит
пирожки, суп, пельмениили торты. Они говорят по-русски, они читают
по-русски,
они празднуют по-русски и поют по-русски. Только дети говорят между
собой
по-немецки.
(Музыка)
Автор: Почему семья Гельфанд
эмигрировала, собственно, в
Берлин? Почему
не в Америку или Израиль? Ответ, вероятно, уходит корнями на 65 лет назад и связан с
дедушкой.
Диктор: Октябрь 1945. Служебная характеристика на
руководителя минометного взвода лейтенанта Владимира Натановича
Гельфанда, 1923
г. рождения, еврей, член КПСС, общее среднее образование, участник в
Отечественной
войне. Награжден орденом „Красная звезда“, легкое
ранение. Лейтенант Владимир
Натанович Гельфанд проявил себя во
время его службы дисциплинированным и последовательным офицером,
политически
развит. Заботится о расширении его знаний, пользуется уважением среди
офицеров,
физически здоров, морально устойчив и предан делу партии Ленина и
Сталина, а
также социалистической Родине.
Оригинальная запись: Мать Белла (говорит по-немецки; возможно, закадровый перевод)
Владимир часто болел, у него были боли в
сердце и
голове. И постоянно... постоянно был шум в голове. В последние годы он
становился
всё более забывчивым. Мы ходили к врачу; врач посмотрел ему в глаза и
сказал, что
у него серьёзная проблема с головой.
Оригинальная
запись: Внук Вова Насколько я знаю, во время войны рядом с дедушкой
разорвался снаряд, и он получил
контузию. С тех пор у него были головные боли и ухудшилась
память.
O-Ton:
Мать Белла
Я приехала в больницу и врач сказал, что я должна
подождать
в другой комнате. Я сижу и тогда я вхожу и смотрю, он лежит там и не
говорит ни
слова. И
я говорю, что свободно... там он уже умер.
Оригинальная запись по-русски: Сын Виталий Папа умер когда я был в армии. Меня на его
похороны не отпустили.
Когд умер папа – я был на гауптвахте и, отпустили бы, но был
у нас замкомбата
один - капитан Потапов, антисемит. Было бы евреев в
батальоне чуть больше –
было бы может легче, но я был один, вся его антисемитская ненависть
была
сосредоточена на мне. Телеграмму, пришедшую в полк о смерти отца, он
мне дал
только, когда я вышел с гауптвахты. Похороны уже прошли. И комментарий
был,
что-то типа, "На,
жиденок, телеграмму..."
А умер... – поехал, как мама потом
рассказывала, - отвозить брату в другой
конец города его какие-то книги, какие-то учебники... И пропал. Искали
его три
дня. В милицию заявили, объявления по всему городу расклеили. Везде
искали,
везде звонили...
Ночью в центре города его увидела из трамвая сидящим на скамейке
проспекта
водитель трамвая. Она читала объявление о пропаже. Остановилась,
вызвала
милицию. Милиция отвезла в больницу. В больнице он через три дня умер
от
переохлаждения. Был октябрь месяц. Он потерялся и не знал куда идти
домой.
(Музыка:
EfimJourist „Русскую рулетку“ номер
2‚ Если ты любишь меня’С
начала до 0.38 мин., дальше под текстом)
Оригинальная запись: Внук Вова Моему дедушке было 60
лет, когда он умер... это был в
1983 году. Я с ним не виделся... я родился на 4 года позже, в 1987.
Моя
бабушка настояла на том, чтоб я получил его имя, Владимир.
Автор: Владимир Натанович
Гельфанд был необычным мужчиной. Он
был разнообразно заинтересован, политически и художественно активен,
говорил
по-немецки, был справедлив и заботлив.
Оригинальная запись: Внук Вова Когда ему было, как
теперь мне, 22, он был в Берлине.
Это был 1945-й дедушка лейтенант был тогда в Красной армии и освобождал
Берлин от
нацистов. Он
жил тогда примерно один год как
оккупационный офицер в Берлине. Все, что он видел тогда и испытывал, он писал в
дневник.
Он писал открыто о побежденных немцах и о
состоянии в
Красной армии. Он был мужественен и не имел страха перед его
начальниками. Он писал
снова и снова все. Вероятно, это было связано с его мечтой, что он
хотел быть
писателем.
(Затемняют музыку при 1.40,
перед быстрой частью)
То, что мы можем читать сегодня, что он записал
тогда, мы
обязаны моему отцу Виталию Гельфанду, так как он спас дневники.
(Монтаж различных
записей дневника; в
том числе празднующую русскую армию, смех... и т. д.)
Дневник: (Диктор (цитата)) Весна 1945.
Кражи и обман стали в части традицией.
Они не боятся скупости, ломают чемоданы, вскрывают замки... Карпенко напивается пожалуй так каждый
день вплоть до
бессознательного состояния.
Вчера, например, Рыбкин разбил бюст Шиллера и уничтожил бы и Гёте, кабы
я
не вырвал его из рук сумасброда и не спрятал, обмотав тряпками.
(Голоса военных
затихают)
26 октября 1945 В честь окончания войны я
решил написать
стихотворение. Когда стихотворение было почти закончено, лейтенант схватил бумагу и
высмеял меня. Смысл его слов был таков:
мне следует бросить писать. Я начал сомневаться в себе и был в очень
подавленном настроении...
14 ноября 1945 В
поезде меня спросил сидевший напротив меня немец
неожиданно серьезно: «Германия будет снова большой и
сильной?» От выводов я
воздерживаюсь, ибо этот вопрос сам столь циничен, что комментарии и
ответы
ничего не дадут.
Оригинальный
звук: Внук Вова После
войны в Германии мой дедушка просто хотел наслаждаться
жизнью. Он
был молод и не обращал внимания на запреты
и правила. Он
ходил на чёрный рынок и покупал всё подряд... костюмы, шляпы,
солнечные очки,
перчатки... он купил себе даже велосипед. Тогда он сфотографировался со всеми этими вещами и послал фотографии
домой.
(Рыночный шум затихает)
Автор: Владимир
Гельфанд находил также снова и снова время
для дневника. Письменный талант настолько выделялся, что он привлекался
даже к составлению
журнала боевых действий. Он регулярно посылал письма матери и отцу, которые развелись и
жили отдельно
друг от друга. Он
сообщал, что он работает в Берлине в транспортном отделении, где
немецкие
промышленные сооружения демонтируются и транспортируются в СССР, он
писал о его
девичьих знакомствах и о том, что он, как оккупационный офицер хорошо
снабжен и
получает достаточное количество продуктов.
Дневник: (Диктор (цитата)) Письмо отцу от 1 апреля
1946 Здравствуй,
любимый папочка! Получил твое долгожданное
письмо с фотокарточкой, - как я тебе благодарен! Ты говоришь об
оскорблениях и дрязгах, о тех обидах,
которые незаслуженно висят над нами, раз мы евреи – и в этом
я с тобой согласен
– сколько тягот мне случилось вынести за войну, сколько
издевательств и сколько
грубостей только из-за того, что моя фамилия – Гельфанд; что
я родился в
еврейской семье и что сам поэтому – еврей. Больно было, война
от этого
вдесятеро тяжелей, жизнь тягостней. Когда я узнал о гибели родных в
Ессентуках,
я весь отдался чувству мщения, и с тех пор не жалел ни сил, ни средств
для
победы.
Оригинальная запись: Внук Вова В Ессентуках
жила
семья моего прадедушки. Это
вблизи Кавказа. Когда территорию оккупировали в 1942, нацисты убили всю
семью.
Только мой прадедушка пережил, так как он не был в то время там.
(Звонко жужжащий звук скрипок: „Stringperspectives“ от Энтони Плета)
Дневник: (Диктор (цитата)) Берлин, 10 июня 1946 Неожиданно наступило полное отупение рассудка.
Дает себя знать не
покидающий еще с довоенных времен недуг. Физическое состояние связано с
умственным. Все парализовано. Руки отказываются работать, язык не
согласен с
разумом, и трудно говорить. Слабость и недомогание. Голова отяжелела и
письмо
настоящее достигается высочайшим напряжением всех сил.
(Затемняют
звонко жужжащий звук)
Оригинальная запись: Внук Вова Тогда мой
дедушка еще не знал, что боли его ранения на
войне прибудут и сопроводят его всю его жизнь.
(Музыка: EfimJourist„RussianRhapsody“ Nr3. ‘Жаворонок’
от 2.05 мин.)
Автор: Осенью 1946
демобилизовалась часть Красной армии и Владимир Гельфанд мог ехать
домой на
Украину. Раньше,
однако, он праздновал с его
компанией большой праздник. Примерно за 1000 немецких марок он
обеспечивал
достаточное
количество продуктов, водки, смальца и лука. Тогда ему удалось купить
еще элегантную
пишущую машинку. С8 чемоданами, 2 пальто, радиоприемником и
велосипедом он возвращался
к своей матери в Днепропетровск.
(Затемняют
музыку) (Musik
ausblenden)
Оригинальная запись: Внук Вова Мой
дедушка, Владимир Гельфанд, обучался в
университете в Днепропетровске. Он женился на школьной
подруге, но брак распался,
и они расстались. Тогда он жил снова у своей матери. В Днепропетровске он был преподавателем в
профессиональной школе, преподавал историю,
литературу и русский язык. Он
продолжал вести
дневник и после войны. Он много писал о том, как трудно быть
евреем
в Советском Союзе.
Дневник: (Диктор (цитата))
Имеется еще Перевалов в группе 7. На каждом занятии он кричит на меня
"еврей" и каждый день он прибывает внезапно и очень дерзко с
изречением „Почему Гитлер убил не всех евреев?“
Исчезновение портрета Карла Маркса
комментировалось
несколько дней назад во время моего занятия: „Нужно убивать
этих евреев. Только
из-за них
имеются войны. Они живут хорошо и дела идут у нас плохо“. И
другое. Я пытался объяснять, что,
собственно, евреи такое. То, что все национальности равны и что имеются
у всех
героиили
неудачники, умные или глупцы,
друзья или враги. Одновременно я называл несколько известных еврейских
имен: Маркс, Свердлов, Гейне, Спиноза и других. На следующий день директор школы входит
и
спрашивает:“ Кто снял картину Маркса со стены? Марксисчез! На стене висит только лишь портрет Ленина, нарушая
симметрию“. Уже несколько дней отсутствует портрет Маркса. Такое
оживленное в Украине, похожее на погром
настроение.
(Музыка: EfrimJourist„RussianRhapsody“
номер 4 ‘Красного поклонника Сары’, с начала)
13. Januar1958 В последнее время я
удачлив. Имеется любовь отовсюду,
начиная с учениц до разведенных женщин. Но для меня самые желанные не
здесь.
Оригинальная запись: Внук Вова Теперь прибывает моя бабушка: Белла Ефимовна
Шульман. Она
окончила учебу на преподавателя в 50-е годы и обучает уже
старшие классы. Когда они познакомились,
она была младше на 10 лет чем дедушка.
(Затемняют
музыку)
Оригинальная запись: Мать Белла Я была однажды в субботу и воскресенье у
родителей. У них
был маленький дом... комната и кухня, - это уже дом. Это
было в 1958, тяжелые времена, все жили очень бедно. И мать говорила, к нам будет посещение и я не
знала,
что это
был Владимир Гельфанд. Мы сидели за большим столом, пили чай и ели
сладости и
он сидел между знакомыми. Мы
говорили... он был
очень образованным человеком, очень. Он видел много, так как был солдатом, русский язык
и
литературу училтогда
в университете. Мы
говорили вечером. И я смотрела на молодого человека, у него было очень
прекрасное
лицо, мне было 22 года и мы говорили, говорили, говорили. И на
следующий день
он уехал в Днепропетровскк
своей матери.
Дневник: (Диктор (цитата)) Днепропетровск: 13 января 1958 Все
зависит от нее. Как она будет – добра, пойдет
навстречу? Или... Впрочем, сейчас хочу набросать ей письмо, Белле,
желанной, но
еще не моей Белле, милой-премилой девушке, которую я хочу и которая
далеко и
прямо и переносно – в Крыму.
„Здравствуйте, Белла!
Вы преподали
мне урок этики – я это принимаю (заслужил) без всякой обиды.
Конечно, мне не
следовало приглашать Вас сюда в первом же письме, я, собственно, и не
думал Вас
приглашать... но, вспомнив, что у Вас каникулы, я предположил и такой
возможный
вариант, как поездка в Москву или Киев – куда-нибудь через
Днепропетровск и
поспешил, так как время подошло о специальном Вашем приезде и уже
поздно было
раздумывать.
Вы бы не
обиделись, если бы при подобных обстоятельствах я Вас встретил в пути?
Может быть я это говорю преждевременно... ведь я всё еще
не знаю Вашего отношения ко мне, хотя письмо Ваше меня сильно
подбодрило. Я,
видите, почти что открылся Вам в своих чувствах, а это, как принято
думать,
пагубно для... (мне приходится подбирать слова) хороших отношений. Но я
поступлю наперекор стандартам и условностям (вот еще один большой
недостаток!),
ведь нельзя уложить жизнь в прокрустово ложе разума, и сердце, как сама
жизнь –
неразумно. Я не собираюсь скрывать свои чувства. А то, что для
поверхностного
человека может показаться недостатком, для вдумчивого и серьезного
–
достоинством. Останьтесь
здоровой и в счастье“
Оригинальная запись: Мать Белла И он пишет мне, что он хотел встречать меня и что
я очень
нравлюсь ему. И каждый день я получаю от него письма, каждый день. Он
пишет и пишет. И я отвечаю и отвечаю. Тогда были школьные каникулы. Я сижу в
учительской,
большой стол, большое окно и длинная дорога... и внезапно прибывает...
кто...
молодой человек... Владимир.
Он не говорил, что он приедет. Мы говорили и
гуляли и он сказал,
скоро каникулы, тогда презжай ко мне в Днепропетровск. Тогда девушки
были
другие чем сегодняшние, мы не хотели спать... стыда... нет... нет,
нет. И,
однако, я видела этого умного мужчину, который говорил, очень
прекрасного
мужчину и я, когда будут каникулы, я сказала, приеду.
(Музыка: „Русская
рапсодия“ номер 4 от 1.39 мин. тот же самый начальный мотив
только с басом)
Оригинальная запись: Внук Вова Моя
бабушка Белла Ефимовна Шульман и дедушка Владимир
Гельфанд остались вместе. Они жили тогда в Днепропетровске у родителей дедушки. Они были снова
вместе.
Оригинальная запись: Мать Белла У Владимира здесь имелась комната, как моя кухня.
И все
жили вместе: отец, мать, я и Владимир в комнате. Владимир работал в Днепропетровске как преподаватель, но потом он стал безработным.
В это время было очень
тяжело для евреев находить работу. Он
был хорошим
человеком, хорошим преподавателем. В школе он не мог найти место. Когда я приехала, у
него не было работы. Я
решила, я буду работать. Пошла в школу и сказала, что я -
преподаватель, показада
мой диплом и директор спросил, почему я пришла. Я объяснила, что вышла
замуж и
хочу работать... Нет, никакой работы.
Мы не
получали
работу, так как мы были евреями. Моя фамилия Шульман, я показываю мой
диплом...
Шульман, Белла... тогда он смотрит... нет, работы... иди! А я прошу, я
согласна
взять первый класс, или, вероятно, имеется работа в библиотеке... нет,
никакой
работы.
Я зла на Украину, так как в Украине не имелось для
меня
хорошего слова и я не люблю ее, только, что я там встретила Гельфанда,
только это было хорошее. Наряду с
домом был
маленький кусочек земли. Все помогали, также брат и сестра и мы
построили
маленькую
комнату, 11 квадратных метров через один месяц. Мы
были счастливы...
комнату.... oooo! Мы жили там, наверно, 10 лет. И тогда у нас
появился сын.
(Включают музыку пианино: Сергей
Прокофив „Gavotte“)
Владимир заработал небольшое количество денег и я
говорила,
что мы должны покупать, костюм или стол. Так
как там у нас не было стола, имелась только кровать и маленькая кровать
для
ребенка. И
Владимир говорил, первое, что мы купим, - это пианино. Я спросила,
почему? Я
очень люблю музыку. Я училась как маленький ребенок игре на пианино и
я должна была продолжать
это. И дети должны были учиться также игре на пианино. Это
лучше, чем все другое.
И первая мебель, что мы купили... не стул, костюм
или...
нет, - пианино! Но
у нас не было
места, мы установили это тогда у матери. И я всегда ходила
туда и играла.
(Музыка фортепиано затихает)
Владимир был хорошим отцом, он очень любил детей.
Но у
него всегда были сердечные и головные боли с войны, а также боли в
спине. У нас
не было коляски и он носил детей всегда на руках. Я говорила, давай их
мне, у
тебя болит. И мать говорила, ты же не можешь нести их. Он отвечал
тогда, "это мое
и это не слишком тяжело мне".
Оригинальная запись по-русски: Сын Виталий Все, что связано с папой, я помню все.
Воспоминаний – снежным комом. За одно
потянешь – лавиной идут. Сказки до одурения, лет до 13-ти,
наверно, мне он
рассказывал. Лежит рядом и рассказывает. Рассказывает и засыпает. Я
бужу и он
рассказывает дальше.
Оригинальная запись: Мать Белла Владимир работал тогда в профессиональной школе.
Они
строили дома и я говорила, ты должен просить о большей квартире. Но
Владимир не
мог идти и говорить: пожалуйста, пожалуйста, давайте мне... Он
не умел это.
И тогда я решила, тогда я пойду. Я пошла к его
шефу
и
сказала, мы не можем жить таким образом, вы должны помочь нам. Мы
живем с ребенком в комнате. И тогда появился уже второй ребенок. И он сказал,
хорошо... и по прошествии
некоторого времени мы получили квартиру. Это было для меня как в космос
путешествие... 3 комнаты с балконом... ooo!, 3 комнаты... я звала детей „Где ты,
где ты“... я искала
их.
Оригинальная запись по-русски: Сын Виталий Мне тогда было 6 лет. Гена – мой брат
– на 4 года старше, тягал меня за
руку по всем комнатам и на бегу кричал: «Смотри! Комната!
Смотри! Еще
комната!!! Смотри! Ванная!!! Вода с душа! Туалет!!! Еще
комната!!!» Я и вправду
был в шоке: столько комнат, ванная с живым (настоящим) душем, туалет,
кухня...
(Включают музыку пианино: DimitryShostakovich
„Sonata номер 2“)
Оригинальный
звук: Мать Белла Мы там поставили пианино и немножко мебели. У
нас было много друзей. Я люблю гостей, также на праздники, 8 марта,
Международный женский день, 1 мая
собирались.... Мы
не шли в ресторан,
это было слишком дорого. Мы всегда были дома. 3 комнаты, большой
стол.... приходили все к нам. Мы сидели, пили и ели и
говорили. И
пели и я игралана
пианино.
Оригинальная запись по-русски: Сын Виталий Мама лепила вареники с картошкой –
всегда, сколько я помню, - это было
главное блюдо, помимо прочих. Все ели, говорили, пели. Мама играла на
пианино,
другие играли на пианино. Мы с детьми гостей, контингент гостей был
почти
всегда один и тот же, строили из стульев баррикады-халабуды и радость
от
происходящего была бесконечной.
(Музыка фортепиано затихает)
Оригинальная запись: Мать Белла Владимир работал много. Он уходил рано и
возращался очень
поздно, в 7, 8 даже в 10 ч. он приходил домой. Он работал как
преподаватель
в профессиональной школе с детьми и после занятий занят был тем, что
организовал военный
музей. Он
мобилизовал всех детей и просил: то, что у вас есть дома, что есть у
родителей.
Дети были из окрестности города, из деревень. И дети приносили немецкие
и
русские вещи: планшетки и куртки, сапоги и костюмы, пистолеты и
винтовки, но
они были уже испорчены. Они приносили много вещей и он сказалдиректору: я сделаю музей.
Директор разрешил.
В классном помещении он расставил столы и установил все экспонаты и
обозначил. И
люди из городского музея приходили смотреть и говорили: очень хорошо.
Дети в школе очень любили его, так как
он не был
строг, но он был очень понятлив и приветлив. Он рассказывал детям много о войне и о времени
после
войны в Берлине. Он не рассказывал только об историях, что он видел,
что они делали
с немецкими солдатами и с немецкими женщинами, это, так как он боялся
попасть
из-за этого в
тюрьму. Но он писал это в
дневник. И он рассказывал мне много об этом.
Оригинальная запись по-русски: Сын Виталий
(Шум в школьном классе) С собой в свое ПТУ брал часто. Посадит на
последней парте
и урок ведет. А на уроке подростки-дебилы: ржут, бумажки в друг друга и
в него
кидают, с трубочек стреляют, к нему обращаются
«Владимирыч». У меня сердце, как
тисками от этого всего. А он рассказывает, делает вид, что все
нормально, что
ничего не происходит особенного. Замечания делает им. А самое страшное,
что я
понимаю, что ему страшно неудобно передо мной, что я все это вижу.
(Шум в классе затихает)(Schulklasseausblenden)
Оригинальная запись: Мать Белла (возможно, Overvoice) Он всегда сидел и писал, писал, писал. Я говорила,
пойди,
погуляй! Нет,
я хочу писать, всегда дневник. Он
говорил: когдавыйдунапенсию,
напишу
книгу.
Оригинальная запись по-русски: Сын Виталий Другое крупное – он очень любил и
собирал книги. Кому-то если давал читать
и не получал назад – трагедия! Я их все потом уже, во второй
и третий раз,
когда ездил из Германии в Украину, перевез сюда. И вот, когда мне было
лет 15,
я эти книги начал продавать. В букинистический сдавал. Книга
– 3 рубля. Книга –
рубль. 5 книг – 10 рублей. Смотря какие. Много было книг с
дарственными
надписями – я их не трогал. Как я просмотрел – не
знаю: продал книгу Эренбурга
с дарственной папе надписью.
Автор: Владимир
Гельфанд был страстным почитателем Ильи Эренбурга. По этой причине он писал как
литературный студент дипломную
работу о Эренбурге и поехал в Москву, чтобы передать ему лично ее в его
квартире.
Не было просто продвигаться вперед к Эренбургу, но Гельфанд сделал это. При этом посещении
Эренбург подарил ему книгу
"Буря" с личным автографом и посвящением.
Оригинальная запись по-русски: Сын Виталий Что было потом – вспоминать не хочется.
Беседы, беседы, беседы... Особенно из-за
книги Эренбурга, ее ему было жальче всех других. И мне было жалко, не
меньше,
но что можно было уже сделать?!
Всякое было, но никогда не кричал, никогда не бил. Уговаривал,
объяснял... Учил пунктуальности, обязательности...
Сколько я его помню: он, стол в центральной комнате, заваленный
бумагами и
газетами, и он пишет, пишет, пишет, пишет... Днем, когда дома, ночью... Все время. Всегда. Отвлекался только на
политические программы по ТВ и
новости. Хотя нет, кино любил смотреть по телевизору тоже.
...В шахматы иногда с папой играли. Меня научила играть в шахматы
бабушка –
мамина мама. С папой уровень игры был совсем другой – я
никогда, по-моему у
него не выиграл, ни разу. Бабушка, в отличие от папы, поддавалась мне с
детства. Причем поддавалась искуссно, я этого не замечал. Папа не
поддавался
никогда.
Печатать фотографии папа научил. С ним часто печатали, потом сам. В
ванной:
красная лампа, проявитель, закрепитель в ванночках, чистая вода...
глянцеватель.
Нравилось все это очень.
(Включают музыку: EfimJourist „Русскую рулетку“ Nr.2 (начальный мотив) от 0.44 мин. музыки идет в
стуке
пишущих машинок).
Оригинальная запись по-русски: Сын Виталий После папы, - после его смерти, - папиных бумаг:
газет, вырезок, всего – на
10 чемоданов осталось, не меньше. Среди всего этого я обнаружили
дневники.
Отсортировал и начал переписывать. Сначала – ручкой. Потом
– починил папину
немецкую трофейную печатную машинку „Mersedes“ - и на ней. Потом – купил специально
для этого современную печатную машинку.
Началось все это, наверно, году в 1985-м.
До этого все прочитал. Решил: перепечатаю – издам книгой. То,
что книга будет –
ни на грамм сомнения не было. На русском, конечно. Решил, издам
контрабандно,
но издам. Наподобие солжениценских книг. Тогда гласностью
еще и не пахло. Тогда был еще СССР.
А начинал печатать одним пальцем: сидел и по полминуты букву искал...
(Стук пишущей машинки затихает)
Оригинальная запись: Внук Вова Тогда
пришел Горбачев, все начали эмигрировать,
началась перестройка и все политические изменения... и моя семья
решилась. Они думали,
будет это Израиль или Германия. Нояничегонезналэтого,
мнебылолишь
3 года.
(Постепенно
наступающие стук колёс поезда)
Оригинальная запись по-русски: Сын Виталий Мы ходили с мамой в синагогу и на всякие еврейские
посиделки от синагоги. И
все время все разговоры сводились к одному: ехать – надо!Планировали в Израиль. Потом раньше нас года на
четыре уехали в
Германию наши
знакомые. Приезжал я к ним, они – к нам. Так решили ехать в
Германию.
Оригинальная запись: Внук Вова Когда отец
вернулся, мы продали дачу, квартиру и,
вообще, все, и в поезд. Мы ехали через Киев к немецкой границе. Я не
знал, куда
мы едем. Я даже не спросил, я просто знал, что то, что мои родители
делают,
правильно. В
конце пути мы оказались
в Германии.
(стук колёс поезда
затемняют)
Оригинальная запись: Мать Белла Так как жизнь в Украине была очень тяжелая,
невозможная. Деньги
неоткуда было брать. У
детей не было
работы. Пенсия была маленькая.
Никакого молока, никакого мяса. Вечером я шла, записывалась в очередь, отмечалась,
рано
утром в 6 часов я снова шла на перекличку. И когда в 8 часов открывался
магазин,
тогда можно было купить молоко.
Иещеантисемитизм...
оншелнашейвсейжизнью.
Еврей, это плохо, ты - плохой. Не
было
работы. Они видели в лице у моего мужа, что он - еврей. Директор металлургического института Каблуков
говорил: у
меня евреи не учатся. Много
людей просто
дали деньги, они подкупили и могли учиться в институте. Теперь у меня
нет страха
говорить это.
Мы были людьми как все другие. Не
плохо, что мы могли испортить? Мы жили как все другие. Но здесь теперь мы живем и это хорошо, никто
не делает
мне плохо. У
меня есть уже, как оно называется? -
немецкое гражданство. Я чувствую себя хорошо в Берлине.
Оригинальная запись по-русски: Сын Виталий Мы уезжали, а Родина вслед шептала: жиды уезжают,
им и тут повезло...
И ненавидела. В паспортном столе, где оформлял документы, в сберкассе,
где
закрывал счет, в ЖЭКе, где оформлял документы для ОВИРа, в очереди в
немецком
посольстве Киева, в подъезде, где жили...
Ностальгии по тюрьме быть не может. Ностальгии по тюрьме, где был
ненавидим
сокамерниками – не может быть вдвойне. Мне жалко Родину.
Теперь
здесь я дома. Теперь я - житель Берлина.
Оригинальная запись: Внук Вова В начале
мы приехали в Потсдам. Там были размещены все
эмигранты, большинство были русскими. Я пошел там в первый класс. Позже
мы переехали
в Берлин и я пошел там в начальную школу, имел очень много иностранных
друзей
и..., ну, поэтому также мой акцент.
Оригинальная запись по-русски: Сын Виталий Выезжали когда в Германию, очень боялся, что
таможня,
если обнаружит дневники – изымет. Забрали бы, конечно,
никаких денег не хватило
бы откупить. Но, проехали. Не искали, а психологи там еще те... Уровень
старших классов
средней школы: упрется взглядом в взгляд, и: «Золото,
наркотики, оружие,
антиквариат, валюта!?». Запаниковал, отвел взгляд, блеешь
что-то
нечленораздельное – ищут.
У меня «дневники», бумаги,
«антиквариат» папин – все на
дне четырех чемоданов лежало, сверху – ерунда всякая...
За время до эмиграции перепечатал около 80
страниц машинного текста. Они и
сейчас у меня тут, с собой. А закончилось все тут, в Германии. В 1995
приехали, в 1997 где-то купил
компьютер и продолжил. Закончил переписывать все к 2002-му
году. В общем, работы на 15 полных лет.
Оригинальная запись: Внук Вова Наконец,
мой отец Виталий Гельфанд достиг цели: "немецкий дневник" моего
дедушки
перевели в 2005 на немецкий язык и опубликовали в Берлине.
Автор: Это был
успех, который едва ли кто-то считал
возможным. Настойчивый Виталий, естественно, также пытался
опубликовать книгу в России, но
это было совершенно безнадежно.
Оригинальная запись по-русски: Сын Виталий Власть
знать не знает о этих дневниках и вообще о массе подобного, но уже
включилась самоцензура в каждом: в милиционере, в редакторе
книгоиздательства,
в журналисте, в дворнике вечно нетрезвом...
Российский редактор мне так и сказал: ты же понимаешь, у нас сегодня -
Путин… Я не хочу,
чтоб весь тираж, уже в книге, изъяли перед продажей. Я не могу
рисковать…
После долгих переговоров, переписок, звонков – полгода
тянулось
– не смог. Последним и главным условием
издательства было:
мы вырезаем из дневников
все еврейские моменты, все конфликтные эпизоды, все места, где негатив
об армии,
оставляем только путь отца по войне.
Им не нужна настоящая История. Все поломано, подменено. Там нет и
никогда
не было настоящей истории – все от начала до конца
– сфальсифицировано. Сегодня в России по вновь переизданным в прошлом
году учебникам истории,
учат, что Сталин – гений, что репрессии, которые были
– была историческая
необходимость того момента. Путина фамилию вписали в учебники и
называют его
продолжателем дела великого Сталина.
Страну уничтожали много-много-много лет: Ленин, Сталин, Брежнев,
Ельцин.
Путину, придя к власти, ничего особо и делать не пришлось: народ
испорчен на
поколения вперед.
(Музыка
до конца
проигравший: EfimJourist„RussianRhapsody“‚
Русская рапсодия’), (MusikbisEndeunterlegen:
Оригинальная запись: Внук Вова Теперь мы
уже 15 лет в Берлине, но контакт с немцами
немного труден. Я сам не знаю почему. У меня есть много иностранных
друзей,
турецкие и сирийские. Но моя семья остается сама с собой. Все
знакомые живут
поблизости... из Днепропетровска и из дома и они посещают друг
друга часто.
Оригинальная запись: Мать Белла У меня есть контакт с немцами, я иду и говорю
плохо, но дела
делаются. Я говорю с немецкими людьми, не так много, но я говорю. Все
понимают
меня.
Оригинальная запись по-русски: Сын Виталий Контактов с немцами почти нет. Вот с вами
встречаюсь, с людьми, связанными
с изданием книги. С соседями и хаузмастером здороваемся. Немецких
друзей нет. Я
бы с радостью дружил, но менталитет абсолютно разный. Разные интересы.
Разное
все.
Дети – водят в дом немецких друзей. И дружат, слава
богу.
Я даже не знаю у кого из наших русских знакомых есть немецкие друзья.
Пожалуй,
ни у кого. Все контакты у всех с немцами – на бытовом уровне:
в подъезде с
соседями, в магазине, у врача, в учреждениях... Если ко мне в дом
придут с дружбой, вот, например, вы: явитесь без
звонка или
со звонком, сядете, станете с нами смотреть телевизор или слушать
музыку,
обедать, курить, говорить, просто сидеть и молчать, в шахматы играть и
приглашать в кино или на шашлык – я дружбу приму.
К нам не приходят и мы не приходим.
Оригинальная запись: Внук Вова У меня
есть контакт с немцами, но большинство моих
друзей - иностранцы. Также в моей школе я вижу, как отдельные
иностранные
группы остаются сами с собой. Это двухгодичная профессиональная школа и
я
хотел бы
достигать моей зрелости в специальных высших учебных заведениях. Позже
я хотел бы изучать науки о коммуникации и быть, вероятно, журналистом.
Автор: Большая
часть семьи Гельфанд уже имеет немецкие
паспорта. 22-летний Владимир всё ещё ждёт, когда Украина прекратит его
гражданство. Это
еще может
продолжаться. 46-летний
отец Виталий, страдающий от болей в спине, должен сначала подтвердить
наличие постоянной
работы. Трудно
представить,
что его знания о России так и останутся невостребованными и немецкий
паспорт он получит, возможно, лишь став пенсионером. Назад на Украину Гельфанды,
во всяком случае, вернуться не
хотели бы.
Оригинальная запись по-русски: Сын Виталий Родина
– там, где хорошо. Родина – где безопасность и где
чувствуешь себя
человеком. Где защищен законом, но не беспределом. Где нет
ненависти.
Здесь был
мой отец, здесь есть я, и я издал здесь книгу
отца. Я, если смогу, сделаю обязательно еще что-нибудь для страны и
Берлина,
вот только пока не знаю что. Пока что я ращу детей, как могу, чтоб
выросли
людьми, это главное.