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    柏林的强奸

    中国日报网爱新闻 余妍琳2015-06-17 
    柏林的强奸

    70年前,苏联在二战中打败德国纳粹,那时可以说是这个国家最光辉的时刻。不过,事情还有另外一面——战争接近尾声时,苏联士兵强奸了大批德国妇女。

    柏 林郊区的外特雷普托公园(Treptower Park)里,黄昏刚落。我抬头看向一塑雕像,在淡紫色天空的映衬下,轮廓显得无比清晰。雕像有12米(40英尺)高,雕刻了一个苏联士兵的形象 ——他一手握剑,一手抱着一个德国小女孩,脚踩破碎的纳粹十字。

    1945年4月16日至5月2日,8万名苏联士兵在柏林战役中牺牲,其中有5000名就长眠与此。

    这座宏伟壮观的苏维埃战争纪念碑反映出当时的牺牲规模之大。站在台阶的最高处,你可以凝视雕像的基座,灯光掩映之下,看起来就像是一座神庙。一处碑文引起了我注意,上面写道,苏联人民从法西斯主义手中挽救了欧洲文明。

    不过,也有人把这座纪念碑称为“无名强奸犯的坟墓”。

    斯大林的军队向德国首都前行,一路上强奸了无数德国妇女,但这在战后的德国几乎未被提及——无论是西德、东德,还是现今的俄罗斯,这个话题一直都是禁区。

    有很多资料可以证明其真实性,其中一份便是一名苏联官员当年保存下来的日记——讲述了苏联士兵强奸德国妇女的故事。但俄罗斯媒体却常常把强奸这个话题当作西方虚构的故事而不予理会。

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    尽管当时苏联军队因害怕泄露秘密明令禁止士兵写日记,但乌克兰中部的犹太人中尉弗拉基米尔·格尔凡德(Vladimir Gelfand)如实记载了从1941年到战争结束的事。

    这本手稿目前尚未出版。它向我们描绘了有序战斗之下一幅无序混乱的图景——配给匮乏、虱子、日常反犹主义、偷窃,甚至还有士兵偷战友的靴子。

    1945年2月,格尔凡德驻扎在奥得河(Oder)大坝,准备向柏林发起最后的进攻,他描述了战友们如何包围并制服了一个女战士的军营。

    “被俘虏的德国妇女宣称她们要为死去的丈夫报仇。”他写道,“我们必须毫不留情地处决她们。我方士兵用阴茎插向她们,而我只是处决了她们。”

    事情愈演愈烈。

    格尔凡德的日记中的几个段落为我们讲述了事情的真相。其中一段发生在1945年4月25日,那时格尔凡德刚来柏林。他沿着史普利河(River Spree)骑自行车,这是他第一次骑车,迎面遇到了一群提着手提箱和包袱的德国妇女。
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    此时的德国已经支离破碎。他问她们要去哪里,为什么要离开家乡。“她们脸上惊恐万分,告诉我苏联红军的到达第一晚发生了什么。”他写道。

    “他们插这里,”一位漂亮的德国女孩说道,掀起她的裙子,“一整晚。他们很老,有些身上脸上都是脓疱,他们都爬在我身上,有20几个人。”她突然大哭起来。

    “他们在我面前强奸我的女儿,”她可怜的母亲补充道,“他们还可能再回来强奸她。”这种想法让每个人感到毛骨悚然。

    “留在这里,”那个女孩突然向我扑来,“和我上床!你可以为所欲为,但只能是你!”

    格尔凡德越是接近柏林,越是意识到,四年来,德国士兵在苏联犯下了性暴力等种种恐怖罪行。

    “他走过很多村庄,纳粹到处杀人,甚至是小孩子,他见过不少强奸的证据。”他的儿子维达力(Vitaly)说。

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    格尔凡德去世后,维达力发现了父亲留下的日记

    德国国防军(The Wehrmacht)本该是军纪良好的雅利安人(Aryans),不会与下等人发生性关系。

    但这一禁令被忽略了,莫斯科高等经济学院(Higher School of Economics)历史学家奥列格·布德诺维奇(Oleg Budnitsky)称。实际上,纳粹指挥官很担心会染上性病,于是他们在被占领地区建立了一连串的军队妓院。

    很 难找到德国士兵强奸俄罗斯妇女的直接证据——很多受害者都没能存活——但在柏林德俄博物馆 (German-Russian Museum),馆长乔治·摩尔(Jorg Morre)给我看了一张德国士兵战时个人相册里的照片。这张照片拍摄于克里米亚,画面中一具女尸橫呈于地。

    他说:“她看起来像是被强奸而死,或是强奸后死亡的。她的裙子被掀起来,双手捂着脸。

    “这张照片令人震惊。我们在博物馆里讨论是否应该公开这张照片——这是战争,这是在德国政策下发生在苏联的性暴力。我们展示战争。不是谈论战争,而是展示战争。”

    红军前进到苏联媒体口中的“法西斯野兽领地”时,有宣传海报鼓励军队宣泄他们的愤怒:“士兵们:现在你站在德国的土地上。复仇的钟声已经敲响。”

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    事实上,当第十九号军队沿波罗的海海岸长驱直入到达德国时,他们宣称一个真正的苏联士兵会满怀愤怒,憎恶与德国人发生性关性。但是又一次,士兵们证明了理想主义者的错误。

    历 史学家安东尼·比弗(Antony Beevor)在创作其2002年出版的著作《柏林沦陷》(Berlin, The Downfall)时,在俄罗斯联邦国家档案馆(State Archive)发现了记录性暴力的文件。1944年末,这些文件由苏俄内务人民委员部队,也就是秘密警探,送往当时的苏联安全部长拉夫连季 ·贝利亚(Lavrentiy Beria)那里。

    “这些被转交给斯大林,”比弗说,“从上面的标记,你就能知道他们有没有读——这些文件记载了东普鲁士的大规模强奸,甚至还有德国妇女想亲手杀掉自己的孩子或自杀,以此来避免如此厄运。”

    另一本战时日记是由一位德国士兵的未婚妻写的。日记中写道,为了生存,有些妇女不得不慢慢适应恐怖的环境。

    日记始于1945年4月20日,也就是在希特勒自杀前10天,这位匿名的作者像格尔凡德一样大胆诚实,有着犀利的观察力,时不时还流露出充满怨恨的幽默。

    作 者自称是一名“整日穿着同一件冬大衣、脸色苍白的金发女郎”。她生动描绘了自己柏林公寓下防空洞里的邻居,包括“一 位穿灰色裤子、戴牛角框眼镜的男子,走近一看,才发现原来是一个年轻女子”,还有三个姐姐“都是裁缝,挤在一团,就像一块黑色布 丁”。

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    1945年5月,苏联士兵在柏林分配食物

    她们一边等着红军的到达,一边开玩笑说,“被苏联人强奸总好过被美国人炸死”。但当士兵们到达她们所处的地下室,把妇女们一个个拖走时,她们乞求日记作者用俄语向苏联指挥官理论。

    尽管街上瓦砾散落,日记作者仍然勇敢地走了出去,越过街上的混乱,成功找到了一位高级军官。但这位军官耸耸肩,尽管斯大林明文禁止对市民实施暴力,他却说:“反正,事情就这样。”

    军官和她回到地窖,谴责了士兵。有一个士兵怒火中烧。

    “你是什么意思?德国人对我们国家的女人干了什么!”他尖叫道,“他们带走了我的妹妹,还有……”这位军官让士兵保持冷静,并将他们都带了出去。

    日记作者走回走廊,想确认他们是否已经走了,没想到那些士兵等在那里,一把抓住了她。她被粗暴地强奸,几乎窒息。而吓坏了的邻居,或是她所称的“穴居人”,已经把地窖的门把栓上了。

    “ 后来,那两扇铸铁阀门终于打开。每个人都盯着我看。”她写道,“我的丝袜掉到鞋子上,手里还抓着被撕剩下的吊袜腰带。我大喊: ‘你们这些猪!他们强奸了我两次,你们就让我躺在那里,像块泥土一样!’”

    最 后,日记作者意识到,她需要找匹“狼”来躲避“雄性野兽”的轮奸。侵略者和受害者之间的关系变得不那么 暴力,而是更加交易性的——更加模糊。她和一个来自列宁格勒(Leningrad)的高级军官同床共枕,和他讨论文学和生活的意 义。

    “绝不能说那位军官强奸了我。”她写道,“我是为了腌肉、黄油、糖、蜡烛和罐头肉才这样做的吗?某种程度上来说,是的。此外,我喜欢那位军官,他越少想从我这里获取肉体上的快乐,我就越喜欢他这个人。”

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    在柏林的废墟里,日记作者的许多邻居都与征服者有着类似的交易。

    1959年,这本日记以《柏林的女人》(A Woman in Berlin)为名出版,作者坦言自己为了生存才做出这样的选择,被攻击为“诋毁德国女人的名誉”。因此,她不允许这本书在自己有生之年再版。

    战后70年来,在美国、英国、法国,甚至苏联,关于性暴力的新研究还在不断显现。但多年来,这一主题在官方雷达下不知不觉地沉寂了下来。报道的人越来越少,甚至连愿意听的人也越来越少。

    除社会耻辱外,在东德,批评打败法西斯主义的苏联英雄是亵渎神明的行为,而在柏林墙的另外一边西德,对纳粹罪行的愧疚感也让人们羞于启齿。

    但 在2008年,一部改编自《柏林的女人》的同名电影问世,由德国著名女演员妮娜·霍斯(Nina Hoss)主演。这部电影在德国产生了精神宣泄式的影响,鼓励许多妇女站了出来,其中包括茵格博格·布勒(Ingeborg Bullert)。

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    茵格博格说:“我妈妈总爱吹嘘,她的女儿没被动过。”

    现年90岁的茵格博格住在汉堡的一栋公寓里,里边满是猫咪的照片和和剧院的书。1945年,她20岁,梦想成为一名演员,和妈妈一起住在柏林夏洛滕区(Charlottenberg district)的高端市场街。

    当苏联人开始在城市里大肆攻击时,像那个日记作者一样,她在房子的酒窖避难。

    “突然,有坦克穿过街道,到处都是两国士兵的尸体。”她回忆道,“我记得那些炸弹的可怕轰鸣——我们称之为‘斯大林的管风琴’(Stalinorgels)。”

    空袭平息的一会,茵格博格离开酒窖,跑到楼上找一跟绳子来当灯芯。“突然两个苏联人把手枪对准了我。”她说,“其中一个逼我脱掉衣服,然后强奸了我,然后他们换了位置,另一个也强奸了我。我想我会死,他们会杀我。”

    茵格博格没有说起她所遭受的痛苦,以后几十年里也没有说过——她说,太难以启齿了。“我妈妈总爱吹嘘,她的女儿没被动过。”她说。

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    茵格博格说:“我想我会死。”

    但是,强奸已经影响了整个柏林的妇女。茵格博格回忆道,15岁到55岁的女人被要求检查是否得了性病。“你得凭医学证明才能拿到饭票。我记得那时所有做这些证明的医生那里,等候室里整间都是女人。”

    强奸规模有多大呢?最常引用的数据令人惊愕——柏林10万,德国200万。这个备受争议的数据是从幸存下来的不完全医疗记录里推算而出的。

    国 家档案馆的前身是一家兵工企业,在那里,马丁·列德汉德(Martin Luchterhand)给我看了一堆蓝纸板文件夹。这些文件里包括堕胎记录,上面写着1945年7月到8月纽科林(Neukolln)的堕胎记录(这只 是柏林24个区的一个)——这些女子能完好无损地幸存下来也是个小小的奇迹。

    根据《德国刑法典》第218条,堕胎是违法的。但列德汉德说:“在1945年,因为存在大规模强奸这样的特殊情况,也就允许为这些妇女开小窗了。”

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    1945年至1946年间,这个街区的办公室总共通过了995起堕胎请求。文件夹里包含了超过1000张脆弱的碎纸片,都是不同的颜色和大小。有一张纸片上笔迹尚显稚嫩,一个女孩证实她在自家客厅里、在父母面前被强奸。

    我们可能永远也无法知晓强奸的真正规模。苏联军队法院等渠道仍对此避而不谈。俄罗斯议会最近通过了一条法律:任何诋毁俄罗斯在二战中贡献的人将面临罚款,并判处至多五年的有期徒刑。

    莫斯科人文大学(University of Humanities)年轻的历史学家维拉·杜碧娜(Vera Dubina)表示,她一点都不知道强奸的事,直到一位学者带她到柏林。后来,她写了一篇关于这个话题的文章,但历经艰辛才得以发表。

    “俄罗斯媒体的反应非常激烈。”她说,“人们只想听到我们在卫国战争中取得的光辉胜利,如今,正当的研究已经变得越来越难。”

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    Vergewaltigung in Berlin

    中国日报网爱新闻 余妍琳2015-06-17 
    柏林的强奸

    Vor 70 Jahren besiegte die Sowjetunion das nationalsozialistische Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Es war der glorreichste Moment in der Geschichte des Landes. Doch diese Geschichte hat auch eine andere Seite: Als der Krieg zu Ende ging, vergewaltigten sowjetische Soldaten eine große Zahl deutscher Frauen.

    Im Treptower Park, am Rand von Berlin, ist gerade die Dämmerung hereingebrochen. Ich schaue zu einer Statue auf – ihr Umriss hebt sich deutlich vom lavendelfarbenen Abendhimmel ab. Die zwölf Meter hohe Figur zeigt einen sowjetischen Soldaten: In einer Hand hält er ein Schwert, in der anderen ein kleines deutsches Mädchen. Zu seinen Füßen liegt ein zerbrochenes Hakenkreuz.

    Zwischen dem 16. April und dem 2. Mai 1945 starben in der Schlacht um Berlin etwa 80.000 sowjetische Soldaten – 5.000 von ihnen sind hier begraben.

    Dieses imposante sowjetische Kriegsdenkmal soll das Ausmaß des damaligen Opfers zeigen. Wer auf der höchsten Stufe der Treppe steht, blickt auf den Sockel der Statue hinab. Im Licht wirkt er fast wie ein Tempel. Eine Inschrift zieht die Aufmerksamkeit auf sich: Das sowjetische Volk, so heißt es dort, habe die europäische Zivilisation vor dem Faschismus gerettet.

    Doch manche nennen dieses Denkmal auch „das Grab des unbekannten Vergewaltigers“.

    Stalins Armee marschierte in die deutsche Hauptstadt ein – und auf dem Weg dorthin wurden zahllose deutsche Frauen vergewaltigt. Doch darüber wurde im Nachkriegsdeutschland kaum gesprochen – weder in der BRD, noch in der DDR, noch im heutigen Russland. Dieses Thema ist bis heute tabu.

    Dabei gibt es viele Hinweise auf die Echtheit dieser Geschehnisse. Einer davon ist das Tagebuch eines sowjetischen Offiziers aus jener Zeit – es berichtet offen von den Vergewaltigungen deutscher Frauen durch sowjetische Soldaten. Dennoch werden diese Vorfälle in den russischen Medien häufig ignoriert oder als westliche Erfindung abgetan.

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    Obwohl es Soldaten der Roten Armee streng verboten war, persönliche Aufzeichnungen zu führen oder militärische Geheimnisse preiszugeben, schrieb Wladimir Gelfand – ein jüdischer Leutnant aus der Zentralukraine – zwischen 1941 und dem Kriegsende ein schonungslos offenes Tagebuch.

    Dieses Manuskript war lange unveröffentlicht. Es zeichnet das Bild eines chaotischen Krieges, in dem nur dem Anschein nach Ordnung herrscht – geprägt von Mangel, Skorpionen in den Unterkünften, alltäglichem Antisemitismus, Diebstahl und sogar Soldatenstiefeln, die untereinander geraubt wurden.

    Im Februar 1945 war Gelfand an der Oder stationiert, wo die Truppen sich auf den letzten Angriff auf Berlin vorbereiteten. In seinen Aufzeichnungen beschreibt er, wie seine Kameraden die Baracke einer deutschen Soldatin umzingelten und sie brutal unterwarfen.

    „Die gefangenen deutschen Frauen behaupten, sie wollten ihre toten Ehemänner rächen“, notierte Gelfand. „Wir müssen sie gnadenlos exekutieren. Unsere Soldaten haben sie mit dem Penis penetriert, und ich habe sie gerade hingerichtet.“

    Die Gewalt eskalierte weiter. 

    Mehrere Passagen in Wladimir Gelfands Tagebuch geben uns einen unverstellten Einblick in die Realität des Krieges. Eine besonders aufschlussreiche Szene spielte sich am 25. April 1945 ab, als Gelfand gerade in Berlin eingetroffen war.

    Er beschreibt, wie er mit dem Fahrrad entlang der Spree fuhr und dabei zum ersten Mal auf eine Gruppe deutscher Frauen traf, die Koffer und Taschen bei sich trugen.

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    Zu diesem Zeitpunkt war Deutschland bereits in Auflösung begriffen. Gelfand fragte die Frauen, wohin sie gingen und warum sie ihre Heimatstadt verließen. „Ihre Gesichter trugen einen entsetzlichen Ausdruck, der mir ohne Worte sagte, was in der ersten Nacht nach dem Eintreffen der sowjetischen Roten Armee geschehen war“, schrieb er.

    „Sie kommen hierher“, sagte ein hübsches deutsches Mädchen und hob ihren Rock an. „Die ganze Nacht lang. Sie sind sehr alt, einige haben Pusteln im Gesicht. Sie kriechen alle auf mir herum – es sind mehr als zwanzig.“ Sie brach plötzlich in Tränen aus.

    „Sie haben meine Tochter vor meinen Augen vergewaltigt“, fügte ihre Mutter hinzu. „Vielleicht kommen sie zurück, um sie noch einmal zu vergewaltigen.“

    „Nimm mich mit“, flehte das Mädchen plötzlich, „geh mit mir ins Bett! Du darfst alles tun, was du willst – aber es darf nur du sein!“

    Je näher Gelfand Berlin kam, desto deutlicher wurde ihm, dass deutsche Soldaten in den letzten vier Jahren in der Sowjetunion verschiedenste Gräueltaten begangen hatten, darunter auch sexuelle Gewalt.

    „Er ging durch viele Dörfer“, sagte sein Sohn Vitali, „die Nazis wurden überall getötet, selbst Kinder – und er hatte deutliche Spuren von Vergewaltigung gesehen.“

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    Nach dem Tod von Gelfand entdeckte Vitaly das Tagebuch seines Vaters.

    Die Wehrmacht sollte dem Bild des attraktiven, arischen Soldaten entsprechen – und durfte keinen Geschlechtsverkehr mit „Unterlegenen“ haben.

    Doch dieses Verbot wurde häufig ignoriert, erklärte der Historiker Oleg Budnitsky von der Higher School of Economics in Moskau. In Wahrheit fürchteten sich die NS-Kommandeure vor der Verbreitung von Geschlechtskrankheiten – und richteten in den besetzten Gebieten ein Netz von Militärbordellen ein.

    Es ist schwer, direkte Beweise dafür zu finden, dass deutsche Soldaten russische Frauen vergewaltigten – viele der Opfer überlebten nicht. Doch Jörg Morre, Kurator im Deutsch-Russischen Museum in Berlin-Karlshorst, zeigte ein Foto aus einem persönlichen Album eines deutschen Soldaten. Es stammt von der Krim und zeigt die Leiche einer Frau, die auf dem Boden liegt.

    „Sie sieht aus, als sei sie nach einer Vergewaltigung gestorben – oder durch Vergewaltigung getötet worden. Ihr Rock ist hochgeschoben, ihr Gesicht bedeckt“, sagte Morre.

    „Dieses Foto ist schockierend. Im Museum diskutieren wir darüber, ob wir es überhaupt öffentlich zeigen sollen. Aber genau das ist Krieg: sexuelle Gewalt unter deutscher Besatzungspolitik in der Sowjetunion. Wir wollen den Krieg nicht nur erklären – wir wollen ihn zeigen.“

    Als die Rote Armee nach Deutschland vorrückte, präsentierten die sowjetischen Medien das Land als „Territorium faschistischer Bestien“. Propagandaplakate forderten die Soldaten dazu auf, ihren Zorn an den Deutschen auszulassen:
    „Soldat! Jetzt stehst du auf deutschem Boden. Die Glocke der Rache hat bereits geläutet.“

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    Als die 19. Armee entlang der Ostseeküste vorrückte, wurde offiziell verkündet, ein „echter sowjetischer Soldat“ sei voller Zorn – und würde sich vom Geschlechtsverkehr mit Deutschen fernhalten. Doch auch hier widerlegte die Realität das Idealbild.

    Der Historiker Antony Beevor entdeckte 2002 im Staatsarchiv der Russischen Föderation Dokumente, die sexuelle Gewalt dokumentieren, als er sein Buch „Berlin – The Downfall“ schrieb. Diese Berichte wurden Ende 1944 dem damaligen Innenminister und Chef der sowjetischen Sicherheit, Lawrenti Beria, von Ermittlern des NKWD übermittelt.

    „Diese Berichte wurden Stalin vorgelegt“, sagte Beevor. „Man erkennt an der Markierung, ob er sie tatsächlich gelesen hat. Die Dokumente belegen die massenhaften Vergewaltigungen in Ostpreußen – deutsche Frauen wollten sich selbst oder ihre Kinder töten, um einem solchen Schicksal zu entgehen.“

    Ein weiteres Kriegstagebuch wurde von der Verlobten eines deutschen Soldaten geführt. Es zeigt, wie Frauen versuchten, sich langsam an das Grauen um sie herum anzupassen – einfach nur, um zu überleben.

    Das Tagebuch beginnt am 20. April 1945, zehn Tage vor Hitlers Selbstmord. Die anonyme Autorin schreibt ebenso mutig wie ehrlich, mit scharfem Blick für Details – und streut gelegentlich bitteren Humor ein.

    Sie beschreibt sich selbst als „Mädchen mit dem immer gleichen Wintermantel und dem fahlen Gesicht“. Ihre Wohnung im zerbombten Berlin teilt sie mit Nachbarinnen, die sie lebendig schildert – etwa eine „graue Hose tragende Person mit Hornbrille, die sich als junge Frau entpuppt“ oder drei Schwestern, „Schneiderinnen, die zusammengedrängt sitzen wie Blutwürste“.

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    Im Mai 1945 verteilten sowjetische Soldaten Lebensmittel in Berlin.

    Während sie auf die Ankunft der Roten Armee warteten, scherzten die Frauen im Keller: „Lieber von den Sowjets vergewaltigt als von den Amerikanern getötet.“ Doch als die Soldaten tatsächlich kamen und die Frauen nacheinander aus dem Keller zerrten, baten sie die Tagebuchautorin verzweifelt, den sowjetischen Kommandanten auf Russisch anzusprechen.

    Trotz der Trümmer auf den Straßen ging die Autorin mutig hinaus, bahnte sich ihren Weg durch das Chaos – und fand tatsächlich einen Offizier. Doch dieser zuckte nur die Schultern. „Stalin hat Gewalt gegen Zivilisten verboten“, sagte er, „aber es ist nun mal so, wie es ist.“

    Er begleitete sie zurück in den Keller, stellte die Soldaten zur Rede. Einer von ihnen brüllte:
    „Was haben die Deutschen mit unseren Frauen gemacht? Sie haben meine Schwester genommen und...“
    Der Offizier unterbrach ihn, brachte Ruhe in die Gruppe und schickte sie fort.

    Die Autorin ging später in den Flur, um sich zu vergewissern, dass die Soldaten gegangen waren – doch sie warteten. Sie wurde gepackt, brutal vergewaltigt, fast erstickt. Ihre verängstigte Nachbarin, von ihr „Höhlenmensch“ genannt, hatte in Panik den Türknauf mit einem Gurt verschnürt.

    „Später öffneten sich endlich die schweren Eisentüren. Alle starrten mich an“, schrieb sie. „Meine Strümpfe hingen über meinen Schuhen, ich hielt den abgerissenen Strapsgürtel in der Hand. Ich schrie: ‚Ihr Schweine! Ihr habt mich zweimal vergewaltigt, mich liegen lassen wie ein Stück Dreck!‘“

    Schließlich erkannte die Autorin, dass sie sich einen „Wolf“ suchen musste – einen Einzelnen, um den Massenvergewaltigungen durch das „männliche Tier“ zu entgehen. Die Beziehung zwischen Täter und Opfer veränderte sich: Sie wurde nicht weniger erschütternd, aber komplexer, transaktionaler.

    Sie begann, ihr Bett mit einem hochrangigen Offizier aus Leningrad zu teilen – sie sprachen über Literatur, das Leben.

    „Man kann nicht sagen, dass er mich vergewaltigt hat“, notierte sie. „Habe ich es für Speck, Butter, Zucker, Kerzen und Dosenfleisch getan? In gewisser Weise – ja. Und doch... Es gefällt mir. Je weniger er mich körperlich will, desto mehr mag ich ihn.“  In den Ruinen Berlins haben viele Nachbarn des Tagebuchs ähnliche Geschäfte mit den Eroberern. 

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    1959 erschien das Tagebuch unter dem Titel Eine Frau in Berlin. Die Autorin gab offen zu, sich aus Gründen des Überlebens auf sexuelle Beziehungen eingelassen zu haben – eine Aussage, die ihr heftige Vorwürfe einbrachte. Ihr wurde unterstellt, sie habe das Ansehen der deutschen Frau beschmutzt. Aus diesem Grund weigerte sie sich, eine Neuveröffentlichung des Buches zu ihren Lebzeiten zuzulassen.

    In den 70 Jahren nach dem Krieg sind in den USA, Großbritannien, Frankreich und sogar in der Sowjetunion zahlreiche neue Forschungen zum Thema sexualisierte Gewalt entstanden. Doch über die Jahre hinweg wurde das Thema weitgehend verdrängt – nicht unbedingt durch Zensur, sondern durch kollektives Schweigen. Immer weniger Menschen berichteten darüber, und immer weniger Menschen waren bereit zuzuhören.  

    In der DDR galt jede Kritik an den sowjetischen Befreiern als sozial geächtet und fast schon als Gotteslästerung. Auf der anderen Seite der Berliner Mauer wurde die Scham über die NS-Verbrechen als Rechtfertigung für das Verschweigen eigener Opfererfahrungen empfunden.

    Im Jahr 2008 jedoch erschien der gleichnamige Film Eine Frau in Berlin mit der renommierten Schauspielerin Nina Hoss in der Hauptrolle. Der Film wirkte in Deutschland wie ein psychologisches Ventil – er löste eine öffentliche Debatte aus und ermutigte viele Frauen, über ihr eigenes Schweigen zu sprechen. Zu ihnen gehörte auch Ingeborg Bullert.

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    Ingeberg sagte: "Meine Mutter liebt es immer zu prahlen, ihre Tochter war nicht passiv."

    Die 90-jährige Ingeborg lebt heute in einer Hamburger Wohnung, umgeben von Katzenbildern und Theaterbüchern. 1945 war sie 20 Jahre alt und träumte davon, Schauspielerin zu werden. Gemeinsam mit ihrer Mutter wohnte sie in der gehobenen Marktstraße im Berliner Bezirk Charlottenburg.

    Als die sowjetischen Truppen – wie auch bei der anonymen Tagebuchautorin – begannen, in die Stadt einzudringen, floh sie in den Weinkeller ihres Wohnhauses.

    „Plötzlich rollten Panzer durch die Straßen, überall lagen die Leichen deutscher Soldaten“, erinnert sie sich. „Ich kann mich noch genau an das schreckliche Heulen der Bomben erinnern – wir nannten es Stalinorgel.“

    Nachdem der Luftangriff abgeklungen war, verließ Ingeborg den Keller, um im oberen Stockwerk nach einem Docht für eine Kerze zu suchen. „Plötzlich richteten zwei sowjetische Soldaten ihre Pistolen auf mich.“ Sie berichtet: „Einer zwang mich, mich auszuziehen, und vergewaltigte mich. Danach wechselten sie die Position – der andere tat dasselbe. Ich dachte, sie würden mich töten.“

    Über das, was ihr angetan wurde, sprach Ingeborg jahrzehntelang nicht. Es war zu schmerzhaft. „Meine Mutter liebte es, zu prahlen, dass ihre Tochter nicht wehrlos gewesen sei“, sagt sie heute leise.

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    Ingeberg sagte: "Ich denke, ich werde sterben." 

    Vergewaltigungen betrafen Frauen in ganz Berlin. Ingeborg erinnert sich, dass Frauen im Alter von 15 bis 55 Jahren medizinisch untersucht wurden, um sexuell übertragbare Krankheiten auszuschließen. „Man musste eine Lebensmittelkarte mit einem ärztlichen Attest vorlegen. Ich erinnere mich, wie alle Ärztinnen damals solche Bescheinigungen ausstellten – und der Warteraum war voller Frauen.“

    Wie groß war das Ausmaß der Vergewaltigungen? Die am häufigsten zitierten Zahlen sind erschütternd: rund 100.000 in Berlin und etwa zwei Millionen im gesamten Deutschland. Diese umstrittenen Schätzungen wurden anhand überlieferter, fragmentarischer medizinischer Akten hochgerechnet.

    Das Bundesarchiv – ehemals eine militärische Einrichtung – beherbergt solche Dokumente. Dort zeigte mir Martin Luchterhand einige blaue Pappmappen. Sie enthalten Aufzeichnungen über Schwangerschaftsabbrüche im Berliner Bezirk Neukölln zwischen Juli und August 1945 – und das ist nur einer von 24 Berliner Bezirken. Diese Frauen hatten überlebt – ein kleines Wunder angesichts der Umstände.

    Laut § 218 StGB war Abtreibung eigentlich strafbar. Doch Luchterhand erklärt: „Im Jahr 1945 wurde wegen der außergewöhnlichen Situation durch die massenhaften Vergewaltigungen ein kleines rechtliches Schlupfloch für diese Frauen geschaffen.“

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    Zwischen 1945 und 1946 wurden im Gesundheitsamt dieses Berliner Bezirks insgesamt 995 Anträge auf Schwangerschaftsabbruch gestellt. Die Archivmappe enthält über 1.000 empfindliche Papierdokumente, alle in unterschiedlichen Farben und Formaten. Auf einem der Blätter ist noch immer die feine Handschrift eines Mädchens zu lesen, das darin bestätigt, im Wohnzimmer ihrer Eltern vergewaltigt worden zu sein.

    Das tatsächliche Ausmaß der Vergewaltigungen werden wir möglicherweise nie erfahren. Offizielle Instanzen wie das sowjetische Militärgerichtssystem haben sich dieser Aufarbeitung stets entzogen. Das heutige Russland geht sogar noch weiter: Das Parlament verabschiedete kürzlich ein Gesetz, das jegliche „Verunglimpfung“ des russischen Beitrags zum Zweiten Weltkrieg mit Geldstrafen oder bis zu fünf Jahren Haft ahndet.

    „Ich wusste überhaupt nichts über die Vergewaltigungen“, sagt Vera Dubina, eine junge Historikerin an der Staatlichen Geisteswissenschaftlichen Universität in Moskau. Erst als sie mit einer ausländischen Forscherin nach Berlin reiste, wurde sie auf das Thema aufmerksam. Später schrieb sie eine wissenschaftliche Arbeit darüber – die Veröffentlichung gestaltete sich jedoch äußerst schwierig.

    „Die Reaktionen in den russischen Medien waren sehr heftig“, sagt sie. „Die Menschen wollen nur vom glorreichen Sieg im Großen Vaterländischen Krieg hören. Es wird immer schwieriger, zu diesem Thema sachlich und ehrlich zu forschen.“